VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

    Publikationen // Tätigkeitsbericht

    Gastbeitrag Jens Kerstan

     

    Energiewende im Quartier

    Die Energiewende ist nach wie vor eine große gesellschaftliche Aufgabe. Energieeinsparung, Energieeffizienz und der Übergang zu erneuerbaren Energien sind entscheidende Beiträge für den Klimaschutz. Sie sind gleichzeitig auch die richtige Antwort für Versorgungssicherheit und langfristig stabile Energiekosten. Darum liegen in der Energiewende auch große Chancen.

    Von Anfang an war die Energiewende ein Projekt, das von unten gewachsen ist: Ohne die Initiative von Bürgerinnen und Bürgern, von Energie-Genossenschaften und Kommunen wäre Deutschland heute nicht führend bei den erneuerbaren Energien, und ohne sie wäre auch Hamburg nicht das Zentrum der Windenergie.

    Hamburg will auch bei der Wärmeversorgung die Energiewende voranbringen. Denn in einem durchschnittlichen Haushalt gehen rund drei Viertel des Energiebedarfs aufs Konto der Heizung. Entsprechend hoch ist das Potenzial für Energieeinsparungen und für den Klimaschutz. Hohe energetische Standards der Gebäude sind eine wichtige, aber nicht die einzige Voraussetzung. Genauso wichtig sind die effiziente, klimafreundliche Energieerzeugung und die Einbindung erneuerbarer Energien, die oft am günstigsten in Wärmenetzen gelingt. Nicht zuletzt sind hohe Heizkosten auch ein soziales Problem. Gefragt sind also intelligente Lösungen, die sich wirtschaftlich genauso rechnen wie ökologisch.

    Wie gut Klimaschutz und kostengünstige Energieversorgung zusammengehen können, zeigt seit Anfang des Jahres ein gemeinsames Projekt des Bauvereins der Elbgemeinden und des städtischen Energieversorgers Hamburg Energie. In der Wohnanlage Heidrehmen in Sülldorf werden zukünftig 800 Wohneinheiten dezentral und günstig mit Strom und Wärme versorgt. Möglich wird das durch die Kombination eines Blockheizkraftwerks mit Solaranlagen, Wärmespeicher und lokalem Wärmenetz. Der direkt vom Blockheizkraftwerk bezogene Strom kostet weniger Gebühren und Abgaben, die Ersparnis können Mieterinnen und Mieter direkt an ihrer Stromrechnung ablesen.

    Die Umweltbehörde hat ein eigenes Programm aufgelegt, um Wärme aus erneuerbaren Energien, Wärmespeicher und Wärmenetze im Quartier finanziell zu fördern. Das Projekt von BVE und Hamburg Energie in der Wohnanlage Heidrehmen ist das erste, das wir damit möglich machen konnten. Die technische Lösung, die Kooperation der Partner und der unmittelbare Nutzen für die Mieterinnen und Mieter sind beispielhaft. Ich wünsche mir, dass dieses Beispiel an vielen anderen Orten in Hamburg Schule macht. Denn die Energiewende soll weiter vielfältig bleiben. Damit wir unsere Ziele erreichen, brauchen wir die Zusammenarbeit vieler verschiedener Akteure und die Vielfalt unterschiedlicher Lösungsansätze. Und nicht zuletzt sollen möglichst viele direkt von der Energiewende profitieren.

     

    Jens Kerstan, Senator in der Behörde für Umwelt und Energie (mit Abteilung Landschaftsplanung und Stadtgrün)

    Am 18. Februar 1966 in Hamburg geboren, aufgewachsen in Bergedorf. An das Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität Hamburg schließen sich eine Traineestelle bei der Körber AG sowie darauffolgend eine Tätigkeit als Projektleiter Marketing bei der Hauni Maschinenfabrik AG an. Von 1995 bis 2011 Vorsitzender des Naturschutzverbands Gesellschaft für ökologische Planung (GÖP) in Hamburg. Seit 1998 Mitglied der GAL / Bündnis 90 / DIE GRÜNEN, stellvertretender GAL-Landesvorsitzender von 2001 bis 2008. Seit 2002 Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft und bis 2015 Sprecher verschiedener Behörden. Zwischen 2004 und 2008 außerdem Vorsitzender des Unterausschusses „Vermögen und öffentliche Unternehmen“. Anschließend bis 2015 Fraktionsvorsitzender der GRÜNEN Bürgerschaftsfraktion Hamburg. Seit April 2015 Senator in der Behörde für Umwelt und Energie.