VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

    Publikationen // Tätigkeitsbericht

    Gastbeitrag Christian Pegel

     

    Mit Fahrstühlen in die Zukunft

    Förderprogramm zum nachträglichen Einbau findet großen Anklang in Mecklenburg-Vorpommern

    Der demografische Wandel macht auch vor Mecklenburg-Vorpommern nicht halt.
    Wenige Geburten, steigende Lebenserwartung und Veränderungen in der Altersstruktur insbesondere durch Wanderungen verändern die Zusammensetzung der Bevölkerung im Land. Es wird immer mehr Ältere geben – und sie benötigen immer mehr altersgerechten Wohnraum. Oder, wie die Enquête-Kommission „Älter werden in Mecklenburg-Vorpommern“ feststellte: „Es gibt Bedarf für eine bauliche und strukturelle Anpassung von Wohnraum an die Bedürfnisse Älterer.“

    Diese Entwicklung spiegelt sich seit Jahren zunehmend in den Wohnraumförderprogrammen des Landes wider: Mehr altengerechte, barrierefreie bzw. barrierearme Wohnungen durch Anpassungen im Bestand sowie durch Neubau sind ein wichtiger Schwerpunkt. So werden im Programm „Barrierearmer Umbau“ der schwellen- bzw. stufenlose Umbau oder barrierefreie Bäder in selbstgenutztem Wohneigentum gefördert. Mit dem Programm „Wohnungsbau Sozial“ wird der Neubau bezahlbarer Wohnungen gefördert – unter der Bedingung, dass sie barrierearm bzw. barrierefrei sind.

    Ungebrochen großen Anklang findet das Sonderprogramm „Nachrüstung von Personenaufzügen und Liften“. Es wurde 2014 erstmals aufgelegt, um die Strategie der Landesregierung „Wohnen mit Zukunft“ angesichts des demografischen Wandels zu unterstützen. Mit dem Programm wird seither kontinuierlich die Nachrüstung von Personenaufzügen und Treppenliften in Mietwohngebäuden gefördert – mit einem Zuschuss von 30 Prozent, maximal 59.400 Euro pro Aufzug. Bis Ende 2016 wurde damit der Einbau von 236 Personenaufzügen gefördert und somit der barrierearme Zugang zu 3.285 Wohnungen. Dafür flossen ca. 9,9 Millionen Euro Fördermittel.

    Um mehr bezahlbaren Wohnraum für weniger mobile Menschen in Mecklenburg-Vorpommern zu schaffen, sorgt die Förderung dafür, dass die Vermieter die Kosten für den Einbau von Liften und Fahrstühlen nicht voll auf die Mieten umlegen dürfen. So profitieren die Mieter von barrierearmen Wohnungen zu bezahlbaren Preisen.

    Gerade vor dem Hintergrund der Alterung der Bevölkerung muss auch vorausschauend überlegt werden, wie der Alltag für Ältere zu bewältigen ist. Nur dann werden Wohnungen von Älteren nachgefragt. Dazu gehört, dass Versorgungseinrichtungen wie Einkaufsmöglichkeiten, aber auch Ärzte gut zu erreichen sind, um nicht zwingend auf ein eigenes Auto angewiesen zu sein. Damit diese Versorgung möglichst flächendeckend gewährleistet ist, hat die Landesregierung mit dem Landesraumentwicklungsprogramm ein Netz von zentralen Orten erarbeitet und die Kommunen darin kategorisiert.

    Neben Ober- und Mittelzentren mit Infrastrukturangeboten, die nur gelegentlich in Anspruch genommen werden wie z. B. Krankenhäuser oder auch Theater, ist große Sorgfalt darauf verwandt worden, das Netz der Grundzentren mit elementarer Daseinsvorsorge zu knüpfen und dies bei Investitionsentscheidungen zu berücksichtigen. Dieser Grundausrichtung haben wir uns konsequent auch mit der Wohnraumförderung angeschlossen und die gesamte Förderung an den Kategorien des Zentrale-Orte-Systems orientiert. Aus diesem Grund werden mit dem Programm „Nachrüstung von Personenaufzügen und Liften“ Vorhaben in den Grund-, Mittel- und Oberzentren des Landes unterstützt.

    Auch 2017 stellt das Land Mecklenburg-Vorpommern für dieses Programm vier Millionen Euro bereit. Davon profitieren nicht nur ältere Menschen. Auch Menschen mit Behinderungen und Familien mit Kindern kommt der uneingeschränkte Zugang zu den Wohnungen zugute. Deshalb – und aufgrund der anhaltenden Nachfrage nach Zuschüssen aus diesem Programm – sind wir bestrebt, es in den kommenden Jahren fortzuführen. Denn Wohnen mit Zukunft heißt: Ohne Barrieren in die Zukunft.

     

    Christian Pegel, Minister für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung Mecklenburg-Vorpommern

     

    Geboren am 7. Januar 1974 in Hamburg, studierte Pegel Rechtswissenschaften an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald und wurde 2005 als Rechtsanwalt zugelassen. Von 2006 bis 2011 war er neben seiner anwaltlichen Tätigkeit wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Strafrecht an der Universität Greifswald. Pegel war von 1997 bis 2001 Geschäftsführer der SPD-Fraktion in der Bürgerschaft Greifswald, von 2009 bis 2012 Mitglied der Bürgerschaft und von 2011 bis 2012 Mitglied im Kreistag Vorpommern-Greifswald. Seit Oktober 2016 ist er Mitglied des Landtags Mecklenburg-Vorpommern. Im Juni 2012 wurde er zum Chef der Staatskanzlei berufen. Seit Januar 2014 Minister für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung des Landes Mecklenburg-Vorpommern, wurde er am 1. November 2016 erneut zum Ressortchef im nach der Landtagswahl 2016 teilweise umstrukturierten Ministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung ernannt.