VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

    Publikationen // Tätigkeitsbericht

    Gastbeitrag Andreas Wellmann

     

    „Demografielabor“ Mecklenburg-Vorpommern?

    Demografie behandelt eigentlich die Zusammensetzung, Zahl und Alter sowie die regionale Verteilung der Bevölkerung. Verbunden ist mit diesem Begriff in Deutschland, dass wir als Gesellschaft immer älter werden (weniger Kinder und längere Lebendauer).

    In Mecklenburg-Vorpommern hat der Landtag sogar eigens eine Enquete-Kommission eingesetzt, die sich mit dem Thema „Älter werden in Mecklenburg-Vorpommern“ beschäftigt. Man will hier Strategien entwickeln, was die veränderte Alterszusammensetzung für die Gesellschaft, die kommunale Daseinsvorsorge und damit das Leben der Menschen bedeutet. Was ist der Hintergrund dafür?

    Kurz nach der Wiedervereinigung war Mecklenburg-Vorpommern das Bundesland mit der durchschnittlich jüngsten Bevölkerung. Der wirtschaftliche Transformationsprozess änderte dies. Viele Betriebe schlossen, die Arbeitslosigkeit stieg rasant. Junge Menschen und Familien zogen in andere Bundesländer, in denen sie Arbeit fanden. Damit sank die Bevölkerungszahl von ca. 1,9 Millionen auf mittlerweile ca. 1,6 Millionen, und das Durchschnittsalter stieg an. Damit erreicht Mecklenburg-Vorpommern als erstes eine Entwicklung, die ganz Europa bevorsteht, wenn die Prognosen denn stimmen. Wir werden zum „Labor“ dieser Entwicklung.

    Städte und Gemeinden sind von dieser Entwicklung betroffen und entwickeln Strategien, wie man attraktiv bleibt, die Daseinsvorsorge neuen Bedürfnissen anpasst und manchmal auch lernt zu schrumpfen. Sie stellen sich der Herausforderung, weniger Kita und Schule und mehr Angebote für ältere Menschen.

    Die Lage ist aber regional sehr unterschiedlich. Wenn in der politischen Diskussion im Osten Vorpommerns der Begriff „Wolfserwartungsland“ strapaziert wird, dann greift das zu kurz. Die Gestaltungskraft der Politik wird ausgeblendet.

    Wichtig sind vitale Städte und Gemeinden, in denen die Menschen gut versorgt sind und sich wohl fühlen – dazu gehören eine gute Infrastruktur, soziale und kulturelle Einrichtungen sowie ausreichend Arbeitsplätze. Im vergangenen Jahr hat die gute wirtschaftliche Lage dazu beigetragen, dass die Arbeitslosenquote in Mecklenburg-Vorpommern erstmals unter 10  Prozent sank. Mit der positiven Entwicklung des Arbeitsmarktes endete auch der Abwärtstrend insgesamt. Gerade die Zentren, allen voran Rostock, wachsen.

    Wir benötigen daher sozialen Wohnungsbau in den Zentren. In ländlichen Räumen brauchen wir, auch wenn es dort Leerstand gibt, bedarfsgerechten Neubau von Wohnraum für ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen. Daneben wird auch weiterer Rückbau von nicht mehr marktgerechtem Wohnraum erforderlich bleiben. Das erhöht die städtebauliche Qualität der Quartiere. Die Erfolgsgeschichte der Städtebauförderung sollte fortgesetzt werden.

    Lebenswerte Siedlungsräume sind uns wichtig. Hier eröffnen neue Technologien mit Breitband neue Wege. Daher sollte man auch hier smart und village 4.0 denken. So wird vieles möglich und macht Zukunft gestaltbar.

    Siedlungsräume sind auch Schlüssel für Integration. Wenn vieles ineinandergreift und auch das Ehrenamt unterstützt, entwickelt sich eine neue Gemeinschaft. Die Städte und Gemeinden leisten viel und werden noch viel leisten. Dies sind freiwillige Leistungen, und dafür brauchen die Kommunen die Unterstützung des Bundes und des Landes. Das ist gut angelegtes Geld, denn eine gelungene Integration schafft Chancen und bereichert unsere Gesellschaft.

    Die Enquetekommission des Landtages hat hier viele gute Ideen zusammengetragen, die Sie unter www.landtag-mv.de abrufen können.

    Andreas Wellmann, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied Städte- und Gemeindetag Mecklenburg-Vorpommern e. V. 

    Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Bremen mit anschließendem Referendariat in Niedersachsen. Zunächst ab 2000 als Rechtsanwalt mit dem Schwerpunkt Verwaltungsrecht in Hannover. Ab 2002 bei der Hansestadt Wismar im Hauptamt als Verwaltungsjurist tätig. Seit 2009 in leitender Position als Leiter des Amtes für Zentrale Dienste sowie ab 2011 2. Stellvertreter des Bürgermeisters (Senator). Ab 1. Oktober 2014 abgeordnet zum Land Mecklenburg-Vorpommern und dort als Leiter des Büros des Ministerpräsidenten des Landes Mecklenburg-Vorpommern Erwin Sellering tätig. Ab dem 1. April 2015 ist er als Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Städte- und Gemeindetages Mecklenburg-Vorpommern tätig.