VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

    Presseinformation

    Wohnungsverband warnt in Schleswig-Holstein vor Donut-Dörfern - Einfamilienhäuser sind ein Auslaufmodell

    Presse-Info

    vom 6. Oktober 2017

    Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) warnt das Land Schleswig-Holstein davor, wie angekündigt, die landesplanerischen Vorgaben zu flexibilisieren.

    Das Institut der Deutschen Wirtschaft hat die demografischen Prognosen dem Wohnungsbau 2011 und 2015 gegenübergestellt. Das Ergebnis: Der Baubedarf der ländlichen Kreise ist zu 20 Prozent übererfüllt. In weiten Teilen Deutschlands - auch in Schleswig-Holstein - entstehen mehr Wohnungen, als langfristig gebraucht werden. Dieses Missverhältnis ist entstanden, weil auf dem Land immer noch sehr viele Einfamilienhäuser gebaut werden, obwohl dort wegen des steigenden Altersdurchschnittes und der Abwanderung vor allem kleinere Wohnungen benötigt würden. Doch für viele Familien ist ein neues Eigenheim attraktiver als die Sanierung eines leer stehenden Altbaus an der Hauptstraße. Dadurch entstehen "Donut-Dörfer": In der Mitte zerfällt der Ortskern, außen wuchert ein Ring aus Neubaugebieten. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, muss der Geschosswohnungsbau eine Renaissance erleben und ein Einfamilienhausneubaugebiet an einem Einfamilienhausneubaugebiet bald der Vergangenheit angehören.

    VNW-Verbandsdirektor Andreas Breitner: „Wir brauchen eine Steuerung des Landes, um bereits spürbaren Fehlentwicklungen entgegen zu wirken. Wir wollen bauen, aber wir brauchen auch die passenden Rahmenbedingungen. Und: Es muss auch das richtige an den richtigen Stellen sein.“

    Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung prognostiziert einen gewaltigen Krater: zwischen Stadt und Land, zwischen reichen und armen Städten, zwischen reichen und armen Bundesländern. Diese Kluft ist in den vergangenen Jahren größer geworden, und nichts deutet darauf hin, dass sich dies in den nächsten Jahren ändern wird. In Boomregionen rund um Großstädte wie Hamburg, aber auch im Umkreis mittelgroßer Städte wie Lübeck und Kiel, gibt es eine gesunde Wirtschaftsstruktur, die für Unternehmen auch in Zukunft attraktiv sein wird. Die Kehrseite sind die steigenden Mieten.

    Kaum ein Anblick ist trauriger als ein Ort, dessen Zentrum verödet: die Gastwirtschaft hat geschlossen. Für immer. Das Kaufhaus gibt es schon lange nicht mehr, ein Schild an der Fassade weist vielleicht noch darauf hin. Baulücken hinter Bretterzäunen. Auf den Straßen kaum Menschen, und wenn, alte. Dies ist kein unrealistisches Szenario einer Geisterstadt, sondern die Realität im reichen Deutschland des Jahres 2017. Solche Orte gibt es auch im Norden dutzendfach. Schon vor Jahrzehnten war das Stadt-Land-Gefälle ein Thema in Deutschland.

    „Wir drohen, auseinander zu fallen. Hier die prosperierenden Ballungsräume, die zunehmend mehr überhitzen, dort der Rest, in dem das Leben immer schwieriger wird. Was wir in Schleswig-Holstein brauchen, ist ein Pakt für die Entwicklung der ländlichen Gebiete. Schließlich gibt es viel zu tun. Straßen, Brücken und öffentlicher Nahverkehr müssen unterhalten und ausgebaut werden, Internetverbindungen schneller und es braucht gute Schulen und Kitas. Diese Infrastruktur ist es, die es unseren Mitgliedsunternehmen überhaupt erst ermöglicht, ihre Wohnungen zu vermieten. Nur das ist aber Ihre Zukunftsgarantie. Eine Hilfestellung kann die Digitalisierung und der schnelle Bau von leistungsfähigen Datenautobahnen sein. Das Lageglück an oder in boomenden Regionen wird relativiert und ausgeglichen. In der digitalisierten Zukunft wird es wenig entscheidend sein, an welchem Ort man ist. Wenn es gelingt, in strukturschwachen Regionen, wie Dithmarschen oder Schleswig-Flensburg, Datenautobahnen zu legen, dann wächst die Wahrscheinlichkeit, dass dort in der digitalen Wirtschaftswelt wieder mehr Arbeitsplätze entstehen können. Ohne Arbeitsplätze kein oder wenig Wohnen. Genau hier bietet die digitale Welt eine vielleicht einmalige Chance. Voraussetzung dafür ist aber, dass man die Digitalisierung als diese begreift.“, so Andreas Breitner weiter.

    Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V. vertritt 332 Wohnungsgenossenschaften und -gesellschaften (Hamburg: 101, Mecklenburg-Vorpommern: 150, Schleswig-Holstein: 81). In ihren 746.000 Wohnungen (Hamburg: 300.000, Mecklenburg-Vorpommern: 276.000, Schleswig-Holstein: 170.000) leben rund 1,5 Millionen Menschen.

    Weitere Informationen zum VNW finden Sie auf www.vnw.de