VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

    Presseinformation

    Wir vereint im Norden: 25 Jahre Drei-Länder-Verband – Hohe Wohnqualität in Norddeutschland – Widersprüchliche Wohnungspolitik als Hindernis für bezahlbares Wohnen

    Presse-Info

    vom 10. Juni 2015

    Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen kritisiert bei seinem Verbandstag am 11. Juni 2015 in Stralsund die widersprüchliche Wohnungspolitik als Investitionshindernis. Die Politik bürdet der Wohnungswirtschaft immer neue Aufgaben auf. Sie soll das Weltklima retten, älteren Menschen das Heim ersparen, Flüchtlinge angemessen unterbringen und gleichzeitig mit Wohnungsneubau zur Stadtentwicklung und Entspannung an den Wohnungsmärkten beitragen. Und gleichzeitig sollen die Mieten möglichst sinken.

    VNW-Verbandsdirektor Dr. Joachim Wege:

    „Wir warnen vor einer politischen Überforderung der Wohnungswirtschaft. Die Politik legt uns immer neue Lasten auf, lässt uns aber mit den Folgen im Regen stehen. Diese widersprüchliche Wohnungspolitik wird in Zukunft die Investitionen bremsen. Wir brauchen positive Rahmenbedingungen durch die Politik und mehr partnerschaftliches Handeln auf allen Ebenen. Der VNW und seine Mitgliedsunternehmen sind wichtige Partner für Politik, Wirtschaft und Verbände. Sie tragen zu stabilen Quartieren und sozialem Frieden bei. Doch allein können sie die gewaltigen Zukunftsaufgaben nicht stemmen.“

    Seit 115 Jahren vertritt der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V., die soziale Wohnungswirtschaft in Politik und Wirtschaft. Seit 25 Jahren gehören die Wohnungsgenossenschaften und kommunalen Wohnungsunternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern dazu. Die heute 319 Mitgliedsunternehmen sind ein wichtiger wirtschaftlicher und sozialer Faktor in Norddeutschland. Im Jahr 2014 investierten sie rund 1,5 Milliarden Euro in Neubau, Modernisierung, Bestandspflege sowie in Mecklenburg-Vorpommern in den Rückbau. Mit ihren Investitionen sichern sie rund 25.000 Arbeitsplätze und geben 1,5 Millionen Menschen ein gutes Zuhause. Insgesamt haben sie in den vergangenen 25 Jahren rund 32 Milliarden Euro investiert und neben bezahlbaren Wohnraum die Stadt- und Quartiersentwicklung entscheidend befördert.

    VNW-Verbandsdirektor Dr. Joachim Wege:

    „Nicht die Rendite, sondern der Mensch steht bei den Verbandsunternehmen im Mittelpunkt. Das war so, ist so und bleibt so. Seit 25 Jahren gehören die mecklenburgisch-vorpommerschen Wohnungsunternehmen zum VNW. Diese mussten sich komplett auf eine neue Wirtschafts- und Rechtsordnung umstellen. Mit Unterstützung vieler Unternehmen aus Hamburg und Schleswig-Holstein sowie der des Verbandes meisterten sie diese gewaltige Aufgabe hervorragend. Gemeinsam haben die Unternehmen im Drei-Länder-Verband in den vergangenen 25 Jahren Höchstleistung gezeigt und stellen sich selbstbewusst künftigen Herausforderungen.“

    Mit einer durchschnittlichen Nettokaltmiete in allen drei Ländern von 5,53 Euro sorgen die Verbandsunternehmen für bezahlbare Mieten.

    In Hamburg sind es 6,19 Euro, in Mecklenburg-Vorpommern 4,92 Euro und in Schleswig-Holstein 5,24 Euro. Der VNW hat bereits im Jahr 2006 eine Energiewende gestartet. Im Ergebnis konnte der Energieverbrauch zwischen 2005 und 2013 um 13 Prozent verringert, die CO2-Emissionswerte um 15 Prozent gesenkt werden. Ziel ist, bis 2020 den Energieverbrauch gegenüber 2005 um 15 Prozent und die CO2 Emissionen um 25 Prozent zu verringern.

    Das Programm Stadtumbau Ost trägt seit 2002 dazu bei, trotz rückläufiger Bevölkerung und Wohnungsleerstand die Attraktivität ostdeutscher Städte zu sichern. Anfang 2014 wurden in Mecklenburg-Vorpommern 251 Maßnahmen in 146 Kommunen gefördert und seit Beginn des Programms über 26.000 Wohnungen abgerissen.

    Dieter Vetter, Vorsitzender Arbeitsgemeinschaft mecklenburgisch-vorpommerscher Wohnungsunternehmen e.V.:

    „Die Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern haben seit der Wende rund 12 Milliarden Euro in ihre Bestände investiert. 95 Prozent ihrer Wohnungen sind voll- oder teilmodernisiert - ein Spitzenwert im Vergleich zu den anderen neuen Ländern. Diese gewaltige Kraftanstrengung hat die Wohnverhältnisse sichtbar verbessert. Das Programm Stadtumbau Ost ist eine Erfolgsstory. Aufgrund aktueller und zu erwartender Leerstände muss der Stadtumbau mit Förderung der Aufwertung wie des Rückbaus über 2016 hinaus fortgesetzt werden.“

    Aktuelle und zukünftige Aufgaben für die Wohnungswirtschaft

    Quartiersentwicklung

    Die Mitgliedsunternehmen widmen sich in allen drei Bundesländern der Aufwertung vernachlässigter Quartiere. Jüngst wurde in Hamburg das „Bündnis für Quartiere“ gestartet, eine Kooperation aus Bezirken, Wohnungswirtschaft und Akteuren vor Ort. Dabei geht es etwa um generationengerechte Wohnungen, Infrastruktur, medizinische Versorgung sowie Bildungs- und Freizeitangebote im Quartier. In Zukunft wird es immer wichtiger, bisher weniger gefragte Gebiete aufzuwerten. Damit wird die Wohn- und Lebensqualität erhöht, das Auseinanderdriften der Stadtteile gemindert und der soziale Frieden gesichert.

    Integration, Migration und Alterung

    Die Gesellschaft wird internationaler und älter. Darauf stellt sich die Wohnungswirtschaft ein mit generationengerechten Wohnungen und Kooperationen mit Pflegeverbänden, um vor allem auch ihren älteren Mietern das Verbleiben in den eigenen vier Wänden zu sichern. Dies wird in den kommenden Jahren noch wichtiger. Auch zugewanderte Mieter aus dem In- oder Ausland finden bei den Verbandsunternehmen eine Wohnung. Durch Nachbarschaftstreffs, Einsatz von Sozialarbeitern, Unterstützung im Alltag sorgen die Genossenschaften und kommunalen Unternehmen für funktionierende Nachbarschaften und Integration der Neubürger.

    Digitalisierung

    Ein Megatrend ist die digitale Entwicklung. Ob im eigenen Unternehmen, in der Kommunikation mit den Mietern oder der Ausstattung der Wohnungen – die Digitalisierung ist Herausforderung und Chance zugleich. Intern werden alle Arbeitsprozesse durch neue Systeme beeinflusst. In der Kommunikation mit den Mietern geht es um direkte Erreichbarkeit und schnelle Problemlösung. Das vernetzte Wohnen (Smart Home, Smart Meter, AAL) wird sich in den kommenden Jahren rasant weiterentwickeln.

    Forderungen an die Wohnungspolitik

    • Mehr Geld für die Kommunen zur Integration von Zuwanderern. Sprachliche Förderung, Unterstützung im Alltag, Bildung und Arbeit sind ausschlaggebend für funktionierende Integration. Die Wohnungswirtschaft trägt zur Integration in die Nachbarschaft bei – die Politik sollte noch stärker koordiniert die Willkommensstruktur aufbauen für diejenigen, die hier Bleiberecht erhalten.
    • Die Förderung des Stadtumbaus muss dringend fortgesetzt werden. Nur so lassen sich die großen demografischen Herausforderungen insbesondere auch in Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam meistern.
    • Staatliche Abgaben und Regulierungen, steigende Bau- und Energiekosten verteuern das Bauen und Wohnen. Hier muss die Politik genauer analysieren und bessere Lösungen finden als die unsinnige „Mietpreisbremse“.
    • Hohe Grundstückspreise sowie die Grundstücksvergabe sind immer noch Thema. Wir fordern Städte und Kommunen auf, mit mehr Augenmaß vorzugehen und die sozialen Unternehmen nicht gegenüber Bauträgern durch Höchstpreisverfahren zu benachteiligen. Bezahlbare neue Mietwohnungen setzen bezahlbares Bauland und Bauen voraus.

    Regionales aus den drei Ländern

    Hamburg:

    Bündnis mit neuem Senat: VNW ist bereit für Gespräche!

    2011 hat der VNW gemeinsam mit Politik und anderen wohnungswirtschaftlichen Verbänden das „Bündnis für das Wohnen“ geschlossen. Dieses Kooperationsbündnis hat u.a. den Neubau von mindestens 6.000 Wohnungen jährlich gesichert. Ergänzend wurde ein Bündnis für die Quartiere geschlossen. Nun hat Hamburg einen neuen Senat – das Bündnis muss neu verhandelt werden. Trotz unterschiedlicher Ansichten bezüglich der Mietpreisbremse ist der VNW offen für Gespräche über abgestimmte Ziele für die nächsten fünf Jahre.

    Marko Lohmann, Vorsitzender VNW Landesverband Hamburg e.V.:

    „Die Zusammenarbeit im Bündnis für das Wohnen hat gut funktioniert. Daran möchten wir mit dem neuen Senat anknüpfen. Wir sind überzeugt, dass Politik, Wohnungswirtschaft und weitere Verbände gemeinsam mehr für die Stadtentwicklung erreichen. Klar ist, dass alle Seiten liefern müssen. Wir sehen hier starken Klärungsbedarf vor allem bei den Fragen der Quartiersentwicklung, der sozialverträglichen Energieversorgung und der Sicherstellung bezahlbarer Neubauten.

    Hamburg: 2014 haben die 93 Mitgliedsunternehmen 880 Millionen Euro in Neubau und Bestandspflege investiert. Für 2015 planen die Unternehmen den Neubau von 1.900 Wohnungen und Investitionen von rund 900 Millionen Euro.

    Mecklenburg-Vorpommern:

    Wir bieten allen Menschen ein Zuhause – doch Integration braucht Struktur!

    Die Verbandsunternehmen in Mecklenburg-Vorpommern leisten einen wichtigen Beitrag zur Unterbringung von Zuwanderern. Damit übernehmen sie eine große gesellschaftliche und soziale Verantwortung. Die Unternehmen haben bereits über 800 Wohnungen und 240 Heimplätze zur Verfügung gestellt, 716 Wohnungen können sie noch in 2015 zur Verfügung stellen.

    Dieter Vetter:

    „Zuwanderung verstehen wir als Chance gerade in einem Bundesland, welches sich mitten im demografischen Wandel befindet. Zuwanderer tragen zur Stabilisierung des Wohnungsmarktes bei

    und könnten die Fachkräfte von morgen sein. Von der Landesregierung und den Kommunen fordern wir eine bessere Struktur zu Integration. Die politischen Stellen müssen eine intensive Betreuung sicherstellen, wie beispielsweise Sprachkurse, Unterstützung bei Behördengängen und Hilfe in der Alltagsbewältigung. Dafür sind ausreichend finanzielle und personelle Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Die Einrichtung von regelmäßig tagenden „runden Tischen“ hat sich bewährt und sollte in allen Landkreisen und kreisfreien Städten unter Beteiligung aller relevanten Akteure erfolgen.“

    Mecklenburg-Vorpommern: 2014 haben die 149 Mitgliedsunternehmen 347 Millionen Euro investiert. Die Neubautätigkeit ist von 209 Wohnungen in 2013 auf 297 gestiegen. Für das Jahr 2015 planen die Unternehmen den Neubau von 674 Wohnungen und wollen rund 421 Millionen Euro investieren.

    Schleswig-Holstein:

    Zuwanderung: Schleswig-Holsteins Wohnungswirtschaft beweist Verantwortung

    Zuwanderung ist ein hochaktuelles Thema in Schleswig-Holstein. Weitgehend unbemerkt von Politik und breiter Öffentlichkeit haben die Mitgliedsunternehmen auch auf diesem Gebiet Verantwortung übernommen. So wurden im Rahmen der normalen Vermietung allein in den letzten zwei Jahren mehrere hundert Wohnungen zur Nutzung durch Asylsuchende und anerkannte Flüchtlinge zur Verfügung gestellt. Ein zwischenzeitlich mit den kommunalen Verbänden abgestimmtes landesweit einheitliches Mietvertragsmuster ebnet den Weg für Weiteres. Wohnbegleitende mehrsprachige Informationen sind in Vorbereitung. Daneben planen etliche Mitgliedsunternehmen den Bau kommunaler Gemeinschaftsunterkünfte. Und auch bei der Schaffung zusätzlicher Kapazitäten für die zentrale Erstaufnahme von Asylsuchenden ist ein Engagement der Wohnungswirtschaft vorstellbar. Schleswig-Holstein hat hier einen starken und verlässlichen Partner an der Seite. Sicher auch, weil die Gründungsgeschichte zahlreicher Wohnungsunternehmen eine Geschichte der Zuwanderung und Integration ist.

    Raimund Dankowski, Vorsitzender VNW Landesverband Schleswig-Holstein e.V.:

    „Das in diesen Wochen viel zitierte Boot ist nicht voll! Nach dem letzten Krieg waren die Herausforderungen weit größer. Und was damals möglich war, geht mit vereinten Kräften auch heute. Jedenfalls dann, wenn die Gesellschaft, ihre Institutionen und Akteure in eine gemeinsame Richtung rudern. Mit dem am 6. Mai 2015 vorgestellten Flüchtlingspakt hat das Land einen Anfang gemacht. Wir sind zur Zusammenarbeit bereit. Die Wohnungswirtschaft im VNW wird im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch weiterhin Verantwortung übernehmen.“

    Schleswig-Holstein: 2014 haben die 77 Mitgliedsunternehmen 300 Millionen Euro investiert. Die Neubautätigkeit ist von 645 Wohnungen im Jahr 2013 auf 733 gestiegen. Für 2015 planen die Unternehmen den Neubau von 1.000 Wohnungen sowie Investitionen in Höhe von 350 Millionen Euro.

    Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V. vertritt 319 Wohnungsgenossenschaften und -gesellschaften (Hamburg: 93, Mecklenburg-Vorpommern: 149, Schleswig-Holstein: 77). In ihren 737.000 Wohnungen (Hamburg: 290.000, Mecklenburg-Vorpommern: 272.000, Schleswig-Holstein: 175.000) leben rund 1,5 Millionen Menschen. Der VNW feiert in diesem Jahr seinen 115. Geburtstag und 25 Jahre Wiedervereinigung als Drei-Länder-Verband.

    Weitere Informationen zum VNW finden Sie auf www.vnw.de