VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

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    Chancenplan muss her

    VNW-Direktor Andreas Breitner: Strukturschwache Regionen brauchen reduzierte Steuersätze für Unternehmen und Arbeitnehmer.

    157/2019

    Angesichts zunehmender Abwanderung und wirtschaftlichen Niedergangs in einigen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns hat Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), einen „Chancenplan“ für diese Gebiete gefordert. 

    „Bundesregierung und Schweriner Landesregierung müssen vor allem für die Schaffung werthaltiger Arbeitsplätze sorgen, erklärte Breitner am Wochenende. „Nur wer gutes Geld verdient, kann sich vor Ort auch gutes Wohnen leisten und denkt nicht darüber nach, abzuwandern. Denn eines ist auch klar: nur die Wenigsten verlassen ihre Heimat freiwillig. Notwendig ist es, rasch einen Chancenplan zu erstellen.“ 

    Die norddeutsche Wohnungswirtschaft steht nach Breitners Worten bereit, für bezahlbaren und lebenswerten Wohnraum zu sorgen. „VNW-Unternehmen sind seit vielen Jahrzehnten in der Region verankert, investieren Jahr für Jahr mehrere Millionen Euro in den Erhalt und Neubau bezahlbarer Wohnungen und garantieren, dass es so bleibt.“

    „Es kann aber nicht sein, dass Wohnungsunternehmen mehr und mehr zu den wenigen Wirtschaftsankern einer Region werden“, fügte VNW-Direktor Andreas Breitner hinzu. „Der Staat muss gegensteuern - und zwar rasch.“ Im vergangenen Jahr hatten die im VNW-organisierten Wohnungsunternehmen in Mecklenburg-Vorpommern 414 Millionen Euro investiert. In diesem Jahr sind 529 Millionen Euro geplant. 

    Sonderregionen mit reduzierten Steuersätzen

    Möglich sei es, strukturschwache Gebiete für einen begrenzten Zeitraum als „Sonderregion“ auszuweisen, sagte Breitner. „Neben der Förderung von Investitionen sollte man der Region mit einer Reduzierung von Steuersätzen unter die Arme greifen. Per Gesetz könnte das Bundesfinanzministerium beispielsweise ansiedlungswilligen Unternehmen ermöglichen, die Lohnkosten ihrer Mitarbeiter von der Steuer abzusetzen. Arbeitskräften wiederum könnten höhere Freibeiträge bei der Einkommenssteuer gewährt werden. Auch steuerfreie Zulagen sind denkbar. Das würde Investoren anlocken und die Region käme wirtschaftlich wieder auf die Füße.“

    „Bundesfinanzminister Olaf Scholz und die Landesregierung sollten zudem die anstehende Reform der Grundsteuer nutzen, das Wohnen in strukturschwachen Regionen zu verbilligen. Das Gleiche gilt für die Grunderwerbsteuer. Warum kann man für einen gewissen Zeitraum in einem von Abwanderung betroffenen Gebiet den Erwerb einer Immobilie nicht steuerfrei stellen? Angesichts der angespannten Immobilienmärkte in den Hotspots dürfte das vor allem junge Familien anziehen.“

    Staatliche Einrichtungen in strukturschwache Regionen

    VNW-Direktor Andreas Breitner forderte die Landesregierung zudem auf, verstärkt staatliche Einrichtungen in den strukturschwachen Regionen anzusiedeln. „Dabei geht es gar nicht um Hunderte Arbeitsplätze. Manchmal reichen zwanzig oder dreißig gut bezahlte Jobs einer Landesbehörde als ‚Anschub‘. Dann ziehen die Beamten mit ihren Familien in die Region und stärken so die Wirtschaftskraft vor Ort sowie Schulen und Kindergärten.“

    Bei einer Diskussionsrunde mit dem VNW-Direktor hatten unlängst Kommunalpolitiker beklagt, dass es seitens der Landesregierung keinen Plan für eine wirtschaftliche Entwicklung Vorpommerns gebe. „Schwerin sollte für Vorpommern einen Chancenplan entwickeln!“, sagte Breitner.

    „Wichtig ist es zudem, die Frage der DDR-Altschulden zu klären“, sagte Breitner. „Das betrifft sowohl die Kommunen als auch die Wohnungsunternehmen. So lasten auf den mecklenburg-vorpommerschen VNW-Unternehmen immer noch DDR-Altschulden in Höhe von rund 435 Millionen Euro. Ein Schuldenerlass würde Kommunen und Unternehmen Investitionen vor Ort ermöglichen und so die Wirtschaft stärken. Es geht vor allem darum, dass die Regionen sich selbst helfen können.“

    In der vergangenen Woche hatte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) eine Studie vorgelegt, wonach jede fünfte Region in Deutschland ohne eine „kluge Regionalpolitik“ abgehängt werden könnte. Zu den Regionen gehören die Regionen Mecklenburgische Seenplatte, Westmecklenburg und Vorpommern. Einige im VNW organisierte Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften, die in diesen ländlichen Regionen Wohnraum anbieten, berichten von einer Zunahme des Wohnungsleerstands.

    Der VNW vertritt in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg insgesamt 359 Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften. In den von ihnen verwalteten 732.000 Wohnungen leben rund 1,5 Millionen Menschen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt bei den VNW-Unternehmen bei 5,74 Euro. Der VNW ist der Verband der Vermieter mit Werten.

    V.i.S.P.: Oliver Schirg, Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Referat Kommunikation, Telefon: +49 40 52011 226, Mobil: +49 151 6450 2897, Mail: schirg@vnw.de

    Foto: Stefan Sauer/dpa