VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

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    Augenmaß ist notwendig

    VNW-Direktor Andreas Breitner zu CDU-Forderungen nach mehr Klimaschutz: "Butter bei die Fische: Wer soll die Zeche zahlen?"

    179/2019

    Hamburgs CDU will das Thema Klimaschutz in den Fokus ihres bevorstehenden Bürgerschaftswahlkampfes rücken. So solle beispielsweise nicht jede Grünfläche bebaut werden. Zudem sollte für jede neue Wohnung ein Baum gepflanzt werden. Ferner plädiert die Partei für einen „Metropolplan 2030“, der eine gemeinsame Flächenentwicklung mit dem Hamburger Umland vorsieht. Zu guter Letzt regt die Union an, dass Hamburgs kommunales Wohnungsunternehmen SAGA über die Landesgrenze der Hansestadt hinaus aktiv werden solle.

    Dazu erklärt Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW):

    „Bei all den berechtigten Forderungen nach mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit ist jetzt vor allem Augenmaß notwendig. Weniger Flächenfraß und gemeinsame Flächenentwicklung mit dem Hamburger Umland sind vernünftige Ansätze. Entscheidend wird sein, dass die CDU-Politiker den Bau bezahlbarer Wohnungen nicht aus den Augen verlieren, wenn sich ihr Fokus auf den Klimaschutz richtet. Am Ende ist ein ganzes Bündel von Maßnahmen notwendig.

    Auch wenn das in der aktuellen Debatte nicht jeder hören will: Klimaschutz darf nicht zu Lasten des bezahlbaren Wohnens gehen. Wer sich hinstellt und erklärt, Klimaschutz müsse auch etwas kosten, der vergisst leicht, dass Haushalte mit schmaler Geldbörse davon anders betroffen sind als wohlhabende Menschen. Butter bei die Fische: Wer soll die Zeche zahlen? 

    Es mag für Politikerinnen und Politiker aller Parteien, die im Bürgerschaftswahlkampf stecken, verlockend sein, sich umweltpolitischen Maximalforderungen anzuschließen. Die im VNW organisierten Wohnungsunternehmen erleben aber im Alltag, dass nicht alles, was Politik sich wünscht oder fordert, am Ende für Otto-Normalverbraucher bezahlbar ist.

    So hat beispielsweise die Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (ARGE) in einer Untersuchung festgestellt, dass bei einer Anhebung der Standards von der derzeit geltenden EnEV 2016 auf Effizienzhaus 40 allein die Bauwerkskosten um 260 Euro pro Quadratmeter steigen. Eine 80 Quadratmeter große Wohnung wird dadurch um 20.800 Euro teurer. Diese Mehrkosten durch die Einsparung von Energie wieder hereinzuholen ist kaum möglich.

    Am Ende kann aber auch ein Wohnungsunternehmen den Euro nur einmal ausgeben, wenn es dauerhaft am Markt bestehen will. Die Anforderung, sorgsam zu wirtschaften, gilt vor allem für die im VNW organisierten Unternehmen. Im Mittelpunkt ihrer Tätigkeit steht nicht das Erwirtschaften einer Maximalrendite sondern das Angebot bezahlbaren Wohnraums. Finanziellen Spielraum für zusätzliche Ausgaben gibt es da kaum.

    Das bedeutet aber: jeder Vorschlag, der  höhere energetische Standards Beinhaltet, verursacht Kosten, die in letzter Instanz von den Mieterinnen und Mietern zu tragen sind. Gerade die CDU, die sich als Wirtschaftspartei versteht, muss sich in der Kostenfrage ehrlich machen und den Menschen sagen, wer wie viel zahlen muss. Einfach nur fordern, ist einfach, rechnen der schwerere aber ehrlichere Weg.“

    Der VNW vertritt in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg insgesamt 359 Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften. In den von ihnen verwalteten 732.000 Wohnungen leben rund 1,5 Millionen Menschen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt bei den VNW-Unternehmen bei 5,74 Euro. Der VNW ist der Verband der Vermieter mit Werten.

    V.i.S.P.: Oliver Schirg, Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Referat Kommunikation, Telefon: +49 40 52011 226, Mobil: +49 151 6450 2897, Mail: schirg@vnw.de

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