VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

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    Zwei Gesichter

    VNW-Direktor Andreas Breitner zu der Zahl der im vergangenen Jahr in der Hansestadt Hamburg fertiggestellten Wohnungen.

    76/2020

    In Hamburg sind nach Angaben der Stadtentwicklungsbehörde im vergangenen Jahr in Hamburg 9805 Wohnungen fertiggestellt worden. Das sind sind deutlich weniger als im Jahr 2018. 3.717 der fertiggestellten Wohnungen wurden vom Staat gefördert und werden deshalb zu günstigen Preisen vermietet.

    Dazu erklärt Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW):

    „Die Fertigstellungszahl hat zwei Gesichter. Zum einen ist es ein großartiger Erfolg, dass in Hamburg jetzt zum wiederholten Mal für rund 10.000 Wohnungen die Schlüssel übergeben werden konnten. Damit beweist die Hansestadt einmal mehr: auch in besonders nachgefragten Metropolen ist eine soziale Wohnungspolitik für alle Schichten der Gesellschaft machbar. Und zwar ohne Mietendeckel.

    Besonders bemerkenswert ist die hohe Zahl öffentlich geförderter Wohnungen. Mit 3.717 liegt sie mehr als 700 Einheiten über dem Plan. Die im VNW organisierten Wohnungsunternehmen haben daran einen erheblichen Anteil und damit einmal mehr bewiesen, dass sie Garanten für das bezahlbare Wohnen sind. 290.000 der rund 700.000 Hamburger Mietwohnungen werden von einem VNW-Mitglied angeboten.

    Zugleich belegt die Zahl jedoch einen Trend, demzufolge es in den kommenden Jahren schwierig sein wird, jedes Jahr 10.000 Wohnungen zu errichten. Dem vergangene Woche veröffentlichten Hamburger Immobilienmarktbericht 2020 zufolge sank die Zahl der verkauften Bauplätze für den Geschosswohnungsbau um 22 Prozent. Auch unsere Unternehmen erwarten den kommenden Jahren eine sinkende Zahl an Baubeginnen.

    Das liegt natürlich an dem Bauboom der vergangenen Jahre. Die reifen Früchte sind gepflückt. Es wird für alle, die bezahlbare Wohnungen bauen wollen, schwieriger, entsprechende Grundstücke zu finden. So wirkt sich der Preis für ein Baugrundstück erheblich auf die künftigen Wohnungsmieten aus. Hinzu kommen gestiegene Anforderungen der Bezirkspolitik und dramatisch gestiegene Baukosten. Wer in den nächsten Jahren bauen will, der muss sich auf schwierige Bedingungen einstellen.

    Von der Politik erwarte ich in dieser Situation, dass sie bauwilligen Unternehmen verstärkt unter die Arme greift. Der Beschluss der Hamburgischen Bürgerschaft, öffentliche Grundstücke künftig vornehmlich im Wege des Erbbaurechts vergeben zu wollen, war kontraproduktiv. Er behindert massiv den Bau von bezahlbarem Wohnraum und schreckt Unternehmen ab.

    Hamburg hat in den vergangenen neun Jahren gezeigt, wie eine zukunftsorientierte und soziale Wohnungsbaupolitik aussehen kann. Kern dieser Politik war der Bau von Wohnungen im sogenannten Drittelmix, um den Markt zu entlasten. Diese Politik war erfolgreich. Das kann man an der Entwicklung der Mietpreise in der Hansestadt in den vergangenen beiden Jahren sehen. Der Mietenanstieg lag unter der allgemeinen Preissteigerungsrate – ein Vorbild in Europa.

    Im kommenden Jahrzehnt wird bei der Schaffung von Wohnraum der Klimaschutz eine deutlich größere Rolle spielen als früher. Damit die Wohnungen für breite Schichten der Bevölkerung bezahlbar bleiben, muss die Politik frühzeitig die Weichen stellen. Weniger bürokratische Auflagen, Grundstücke bevorzugt für jene, die dauerhaft preiswerten Wohnraum schaffen, und eine pragmatische Suche nach den besten Lösungen für den Klimaschutz sind die Herausforderungen, vor denen Hamburg steht.“

    Der VNW vertritt in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein insgesamt 383 Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften. In den von ihnen verwalteten 738.000 Wohnungen leben rund 1,5 Millionen Menschen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt bei den VNW-Unternehmen bei 5,92 Euro. Der VNW ist der Verband der Vermieter mit Werten.

    V.i.S.P.: Oliver Schirg, Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Referat Kommunikation, Telefon: +49 40 52011 226, Mobil: +49 151 6450 2897, Mail: schirg@vnw.de

    Grafik: Stadtentwicklungsbehörde Hamburg