VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

    Meldungen

    Wohnungen müssen bezahlbar bleiben

    VNW-Direktor Andreas Breitner zu den Plänen von Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan über eine Fassadenbegrünung.

    182/2019

    Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan will künftig Fassaden von Wohnblocks in der Innenstadt - auch zwangsweise - begrünen lassen. Das sehe der Entwurf einer Senatsdrucksache vor, über den die BILD-Zeitung am Freitag berichtet. Die Begrünung solle durch Pflanzen wie Efeu, wildem Wein oder  Kletterrosen erfolgen und könne zwischen 1700 bis 2500 Euro pro Quadratmeter kosten. Unklar sei bislang, wer die Kosten zu tragen habe, schreibt die Zeitung.

    Dazu erklärt Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW):

    „Thema Nummer 1 in den Medien ist der Klimaschutz, aber auf den Baustellen sind das die hohen Baukosten. Beides hängt en miteinander zusammen. Der Vorschlag von Umweltsenator Kerstan erreicht vor allem eines: das bezahlbare Bauen und damit bezahlbaren Mieten in Hamburg wird weiter erschwert.

    Klimaschutz ist auch für die im VNW organisierten Wohnungsunternehmen ein zentrales Thema. Im vergangenen Jahrzehnt wurden durch die Wohnungswirtschaft allein in Hamburg 6,5 Milliarden Euro in den Klimaschutz investiert. Davon flossen rund 1,3 Milliarden Euro in die Modernisierung. Hinzu kamen Investitionen für Abriss und energetisch hochwertigen Neubau. In der Folge sank der Flottenverbrauch um gut ein Fünftel.

    Allerdings sind die Baukosten in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegen. So liegen die durchschnittlichen Herstellungskosten einer Wohnung in der Hansestadt derzeit bei rund 3000 Euro pro Quadratmeter.  Allein in den vergangenen drei Jahren stiegen die Herstellungskosten um etwa 13 Prozent. Angesichts dieser Entwicklung ist es schwieriger geworden, bezahlbaren Wohnraum zu errichten.

    Die Klimaschutzauflagen sind zwar nicht allein für den Kostenanstieg verantwortlich, aber sie tragen erheblich zur Verteuerung bei. So stiegen seit dem Jahr 2002 die Kosten allein infolge der Verordnungen zur Energieeinsparung (EnEV) um 16 Prozent. 

    Keine Frage: eine Begrünung von Fassaden dürfte ein angenehmes Stadtklima fördern. Senator Jens Kerstan beantwortet aber eine Frage nicht: Wie kann Wohnen bezahlbar bleiben, wenn durch staatliche Auflagen Bau und Unterhaltung von Wohnraum ständig teurer wird?

    Die im VNW organisierten Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften verstehen sich als Anwälte bezahlbaren Wohnens für Menschen mit mittlerem und geringem Einkommen. Wir wollen nicht, dass diese Menschen aus ihrer angestammten Heimat vertrieben werden, weil sie ihre Wohnung nicht mehr bezahlen können. So richtig und wichtig Klimaschutz ist, so unverzichtbar ist es auch, diesen Menschen ein Wohnen ohne Angst zu ermöglichen.

    Notwendig ist daher eine städtische Klimapolitik mit Augenmaß. Nicht alles, was wünschenswert ist, kann mit Blick auf die Bezahlbarkeit des Wohnens umgesetzt werden. Andererseits gilt es, Spielräume für mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu nutzen. So könnte Hamburg über eigene Förderprogramme nachdenken. 

    Entscheidend ist: Nur wenn die Mehrheit der Hamburgerinnen und Hamburger davon überzeugt sind, wird nachhaltiger Umweltschutz akzeptiert werden.

    Wenn, wie von Herr Kerstan gewünscht, Hamburg künftig einem Dschungel gleicht, in dem es dann aber keine bezahlbare Wohnung mehr gibt, dann mag man ihm angesichts des engen und überhitzten Hamburger Wohnungsmarktes nur zurufen: Holt ihn da raus. Er ist ein Star!

    Der VNW vertritt in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg insgesamt 359 Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften. In den von ihnen verwalteten 732.000 Wohnungen leben rund 1,5 Millionen Menschen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt bei den VNW-Unternehmen bei 5,74 Euro. Der VNW ist der Verband der Vermieter mit Werten.

    V.i.S.P.: Oliver Schirg, Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Referat Kommunikation, Telefon: +49 40 52011 226, Mobil: +49 151 6450 2897, Mail: schirg@vnw.de

    Foto: AdobeStock/Fotoschlick