VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

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    Wenn der Notarzt zwei Mal klingelt

    VNW-Direktor Andreas Breitner zum Datenschutz: Alle Klingelschilder abzuschrauben ist rechtlich nicht geboten und reiner Aktionismus.

    In Wien hat sich ein Mieter gegen die Anbringung seines Namensschildes an der Wohnung beschwert und auf die entsprechende Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) verwiesen. Daraufhin hat die kommunale Hausverwaltung die Beschilderung in sämtlichen Wohnungen ausgetauscht.

    Dazu erklärt Andreas Breitner, Direktor des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW):

    „Wenn einzelne meinen, mit ihrem Namensschild keinen Rückschluss auf ihren Wohnort zulassen zu wollen, ist es das eine. Den Datenschutzwunsch eines Einzelnen dann zur Regel für eine ganze Gemeinschaft zu erheben, ist allerdings reiner Aktionismus: unnötig und rechtlich nicht geboten. Noch dazu ist es aufwendig und wirft neue Fragen auf: Was, wenn ein wichtiges Einschreiben nicht zugestellt werden kann? Oder was passiert, wenn der gerufene Notarzt den Patienten nicht findet? Wenn der Notarzt zwei Mal klingelt, ist es vielleicht schon zu spät.

    Wir haben Zweifel, ob die Datenschutzgrundverordnung überhaupt auf Namensschilder an der Haustür angewendet werden kann. Das bloße Anbringen eines Namensschildes dürfte keine Speicherung in einem Dateisystem darstellen. Dennoch haben wir unseren Mitgliedsunternehmen empfohlen, das Namensschild eines Mieters zu entfernen, wenn dieser das fordert.“

    Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V. vertritt in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg insgesamt 341 Wohnungsgenossenschaften und -gesellschaften. In ihren 732.000 Wohnungen leben rund 1,5 Millionen Menschen. Im Jahr 2017 investierten die VNW-Unternehmen in den drei Bundesländern insgesamt 1,662 Milliarden Euro in die Sanierung, die Modernisierung und den Neubau bezahlbarer Wohnungen.

    Foto: Fotolia/Gina Sanders