VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

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    Warnung vor "grauer Wohnungsnot"

    VNW-Direktor auf der VNW-Arbeitstagung. Fast 900 Vertreter der norddeutschen Wohnungswirtschaft tagen seit Montag in Rostock.

    Rostock. Die norddeutsche Wohnungswirtschaft hat vor einer „grauen Wohnungsnot“ gewarnt. „Bis zum Jahr 2030 werden in Deutschland rund drei Millionen altengerechte Wohnungen fehlen“, sagte Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungen (VNW), am Montag auf der VNW-Arbeitstagung in Rostock. 

    Senioren hätten keine Lobby und kämen deshalb beim Wohnungsbau oft zu kurz. Die Folgen des Mangels an altengerechten Wohnungen für die Wohnungswirtschaft seien gravierend. Sie müssten vermehrt entsprechende Wohnungen errichten, allerdings fehlten schlicht die finanziellen Mittel. „Vor uns steht vor allem in Mecklenburg-Vorpommern eine zweite Sanierungswelle.“

    Mit Blick auf die jüngsten Beschlüsse der Bundesregierung zum Klimaschutz forderte VNW-Direktor Andreas Breitner, die Bezahlbarkeit des Wohnens nicht zu vergessen. Experten rechneten in Deutschland mit einer Lücke von sechs Milliarden Euro, wenn man die bestehenden Wohnungen im Sinne des Klimaschutzes ertüchtigen solle. „Wir brauchen beim Klimaschutz deshalb ein Umdenken“, sagte Breitner weiter. „Sinnvoll wäre es, weniger das einzelne Gebäude und stattdessen vermehrt das gesamte Quartier in den Blick zu nehmen.“ 

    VNW-Direktor Andreas Breitner kritisierte zudem populistische Forderungen, die immer häufiger die politische Debatte bestimmen würden. „In der aktuellen Diskussion wird Moral wie ein Filter über die Wirklichkeit gelegt und man erkennt die Fakten nicht mehr. Wir erleben einen Tsunami an ordnungsrechtlichen und marktregulierenden Maßnahmen. Aufgeregt, überhitzt und panisch - das ist die wohnungspolitische Diskussion im Jahr 2019. Ich wünsche mir, dass manchmal das Denken und nicht das Deckeln angesagt ist“, so VNW-Direktor Breitner.

    Vermieter seien keine wirtschaftlichen Unholde, die ihre Mieterinnen und Mieter nur ausnehmen wollten, sagte VNW-Direktor Andreas Breitner weiter. „Berlin ist keine Blaupause für ganz Deutschland oder den Norden.“ Das Spannungsfeld der aktuellen Klimaschutzdebatte zeige sich beispielsweise bei der energetischen Sanierung. „Alles, was jetzt zu Lasten der Umlagefähigkeit von Modernisierungskosten geht, wird uns einholen und dazu führen, dass künftig Hunderttausende Wohnungen in Deutschland nicht energetisch saniert werden können.“

    VNW-Direktor Andreas Breitner beklagte in der Diskussion um Wohnungen und Mieten eine „aggressive Meinungskultur“. Es falle immer schwerer, mit Sachlichkeit und Vernunft durchzukommen. „Wir müssen gebetsmühlenartig immer wieder unsere Argumente vorbringen. Wir sind anders, wir sind die Vermieter mit Werten.“ Besonders ärgerlich sei der Mietendeckel, weil dieser die Vermieter mit niedrigen Mieten besonders treffen werde, sagte VNW-Direktor Andreas Breitner. 

    Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) veranstaltet noch bis zum kommenden Mittwoch in Rostock seine diesjährige Arbeitstagung. An dem Treffen nehmen knapp 900 

    Vorstände und Geschäftsführer von norddeutschen Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften sowie hochrangige Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft teil. 

    Im Mittelpunkt der Arbeitstagung steht das bezahlbare Wohnen in Zeiten dramatisch steigender Baukosten, des Mangels an preiswerten Baugrundstücken und höherer Anforderungen an Nachhaltigkeit und Energieeffizienz.

    Jana Kilian, Vorsitzender des VNW-Verbandausschusses, hatte am Montagvormittag die VNW-Arbeitstagung eröffnet und dabei auf die großen Herausforderungen für die Wohnungsunternehmen verwiesen. Investitionen in die Infrastruktur und den Klimaschutz verursachten hohen Kosten beim Bau von Wohnraum. Andererseits sei im Moment der Druck auf die Wohnungswirtschaft seitens der Politik und der Gesellschaft enorm groß. Die Politik arbeite fleißig daran, diesen Wirtschaftszweig kostenmäßig zu belasten. „Wir brauche maßvolle Regulierungen der Politik und keine Maßnahmen, die dem kurzfristigen Stimmungsfang dienen. Wir sind jene, die ihren Wohnungsbestand pflegen.“

    Christian Pegel, Bauminister von Mecklenburg-Vorpommern, sagte in seinem Grußwort, Wohnen sei als Politikfeld selten so bedeutend gewesen wie derzeit. Mancher Vorschlag schieße sicher über das Ziel hinaus, räumte der Minister mit Blick auf die aktuelle Diskussion ein. Aber er sei dankbar dafür, dass Wohnen so wichtig geworden sei. Es habe dazu geführt, dass die Bundesländer mehr und länger finanzielle Mittel für den sozialen Wohnungsbau vom Bund erhielten. Im laufenden Jahr werde sein Bundesland rund 35 Millionen Euro für die Förderung von bezahlbarem Wohnen ausgeben, sagte Pegel weiter. Dazu gehöre der Neubau von geförderten Wohnungen. Mit einem neu geschaffenen zweiten Förderweg gehe man deutlich in höhere Einkommensgruppen hinein. Damit solle auch der Trend zu Einfamilienhäusern abgebremst werden. 

    Beim Thema Bauen werde man eine umfassende Klimaschutzdebatte bekommen, sagte Christian Pegel, der auch Energieminister seines Bundeslandes ist. Er verteidigte die jüngsten Beschlüsse der Bundesregierung. Allein, dass man jetzt Beschlüsse habe, die in den kommenden Jahren in Gesetze gegossen würden, sei schon ein Erfolg an sich. Entscheidend sei nicht, wie viel Energie aus einer Wohnung herauskomme, sondern, welche Art von Energie hineingehe, sagte der Minister weiter. Wenn der Anteil regenerativer Energie steige müsse man nicht zuallererst auf die Effizienz des Energieeinsatz schauen.

    Nach den Worten von Schleswig-Holsteins Bauminister Hans-Joachim Grote liegt die Herausforderung in der Entwicklung der Städte. Es sei einfach, Flächen im freien Raum in Anspruch zu nehmen und weitaus schwieriger, in bereits bebauten Gebieten zu verdichten. Die Aufarbeitung von Flächen gehöre dazu, ebenso wie das Aufstocken von Gebäuden. In Schleswig-Holstein spiele das Thema Schwarmstädte eine große Rolle.

    Die Kommunen stünden vor der Herausforderung, entsprechende Baugrundstücke zur Verfügung zu stellen, sagte Grote weiter. Bund und Länder legten eine Vielzahl von Förderprogrammen auf. Allerdings: was nützten all diese Programme, wenn die politische Mehrheit einer Kommune sage: wir wollen nicht mehr wachsen. Was solle man dann als Landespolitiker machen?

    EU-Kommissar Günther Oettinger hielt bei seiner Rede ein leidenschaftliches Plädoyer für ein gemeinsames Europa. Gegenwärtig finde auf der Welt ein Kampf zwischen unterschiedlichen Werteordnungen statt. Unsere liberale Gesellschaft, die von Freiheit und Toleranz geprägt sei, müsse sich der Herausforderung repressiver staatlicher Ordnungen stellen. 

    Wenn uns parlamentarische Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Toleranz und Nächstenliebe erhaltenswert erscheinen würden, dann müssten wir endlich dafür kämpfen, sagte Oettinger weiter. Der EU-Kommissar äußerte zugleich Kritik an der Mietpreisbremse und an den Plänen für einen Mietendeckel. Er glaube noch an die Kräfte des Marktes, auch im Bereich der Wohnungswirtschaft, sagte Oettinger und fügte hinzu: er mache sich Sorge, dass die Politik in Berlin kaum noch auf die Wohnungsverbände höre.

    Als Gastredner werden am 23. September 2019 noch sprechen:

    Wolfgang Kubicki, Vizepräsident des Deutschen Bundestages, zum Thema „Wohnungswirtschaft zwischen Markt und Regulierung“

    Prof. Dr. Norbert Lammert, Präsident des Deutschen Bundestages A.D. zum Thema „Flagge zeigen! Staatsbürgerliche Orientierungen in turbulenten Zeit“

    Als Gastredner werden am 24. September 2019 sprechen:

    Dr. Christian Kuhnt, Intendant Schleswig-Holstein Musik Festival, zum Thema „Kultur versus Wirtschaft“

    Detlef Scheele, Vorstandsvorsitzender Bundesagentur für Arbeit, zum Thema „Wirtschaft ohne Fachleute“

    Als Gastredner werden am 25. September 2019 sprechen:

    Rolf Buch, CEO Vonovia SE, zur „Bewertung der aktuellen wohnungspolitischen Lage aus Sicht eines großen Akteurs am Wohnungsmarkt“

    Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender Bundesstiftung Baukultur, zur Frage „Was bedeuten 100 Jahre Bauhaus für die Baukultur?“

    Journalistinnen und Journalisten sind herzlich eingeladen, die Reden vor Ort zu verfolgen. Zudem steht VNW-Direktor Andreas Breitner für ein Interview zur Verfügung. Eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig, erleichtert uns aber die Organisation.

    Mehr Informationen finden Sie im Internet unter: eventmobi.com/at2019/ 

    Der VNW vertritt in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg insgesamt 359 Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften. In den von ihnen verwalteten 732.000 Wohnungen leben rund 1,5 Millionen Menschen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt bei den VNW-Unternehmen bei 5,74 Euro. Der VNW ist der Verband der Vermieter mit Werten.

    V.i.S.P.: Oliver Schirg, Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Referat Kommunikation, Telefon: +49 40 52011 226, Mobil: +49 151 6450 2897, Mail: schirg(at)vnw.de

    Foto: Bertold Fabricius/VNW