VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

    Meldungen

    "Verantwortliche an einen Tisch!"

    VNW-Direktor Andreas Breitner besucht Grimmen und fordert vom Bürgermeister, auf den Verkauf der stadteigenen Wohnungsgesellschaft zu verzichten.

     

    Grimmen - Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), hat am 17. August 2018 die Stadt Grimmen besucht und sich mit Vertretern der dortigen Wohnungswirtschaft getroffen.

    Anlass der Visite sind die Pläne der Stadt, die stadteigene Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (GWG) mbH zu verkaufen. Die Verkaufspläne sollen am 20. August auf einer Hauptausschusssitzung besprochen werden. An wen das Unternehmen verkauft werden soll, ist bislang unklar.

    Nach dem Gespräch mit der Führung der Wohnungsgenossenschaft Grimmen e.G. erklärte VNW-Direktor Andreas Breitner:

    „Auch wenn die wirtschaftliche Lage des städtischen Wohnungsunternehmens schwierig ist, halte ich eine Privatisierung für den falschen Weg. Die Stadt gibt damit jegliche Möglichkeit auf, aktiv für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen. Ich fordere die Stadt auf, diesen Schritt noch einmal zu überdenken, denn es gibt andere Möglichkeiten, das Problem zu lösen. Ich schlage vor, alle wichtigen Beteiligten an einen Tisch zu holen, um für die GWG eine Lösung abseits einer Privatisierung zu finden. Andere Optionen sind möglich.“

    „An dem Treffen 'Zukunft GWG' sollten der Bürgermeister Grimmens, Herr Rüster, Vertreter der Landesregierung, der Förderbank Mecklenburg-Vorpommerns und der Deutschen Kreditbank (DKB) teilnehmen. Zudem sollten die GWG und als weiterer großer Vermieter die Wohnungsgenossenschaft Grimmen e.G. sowie der VNW vertreten sein.“

    „Man könnten in diesem Gremium prüfen, ob nicht auch in Grimmen der sogenannte ‚Flensburger Weg‘ gegangen werden kann. In Flensburg hatte der Selbsthilfe-Bauverein eG (SBV) im Jahr 2006 die kommunale Wohnungsgesellschaft mit einem Bestand von rund 4800 Wohnungen gekauft. Der SBV ist die größte Wohnungsbaugenossenschaft in Flensburg und versorgt Tausende Menschen mit bezahlbarem Wohnraum.“

    „Das Thema Altschulden wiederum ist jetzt auch bei der Bundesregierung angekommen. Erst Mitte Juli wurde von der Bundesregierung die Einrichtung einer Kommission ‚Gleichwertige Lebensverhältnisse‘ beschlossen. Eine der Arbeitsgruppen wird sich mit den kommunalen Altschulden beschäftigen. Damit macht die Bundesregierung zum ersten Mal deutlich, dass sie gesprächsbereit ist. Ergebnisse der Gespräche werden für den Herbst 2020 erwartet. Bis dahin sollte Grimmen auf jeden Fall mit einer Privatisierung warten.“

    „Zudem ist es sinnvoll, dass in Mecklenburg-Vorpommern eine Art Task force eingerichtet wird, die frühzeitig eingebunden wird, wenn ein kommunales Wohnungsunternehmen in Schieflage gerät und als ‚letzter Ausweg‘ eine Privatisierung droht. Der Verkauf kommunaler Wohnungsunternehmen um die Jahrtausendwende beispielsweise in Schleswig-Holstein oder in Dresden hat sich aus heutiger Sicht als falsch erwiesen. Die Städte gaben damit ein wichtiges Mittel, für sozialen Frieden in den Quartieren zu sorgen, aus der Hand.“

    Die GWG ist mit rund 1700 Wohnungen größter Vermieter in der Region Grimmen. Das Unternehmen leidet unter millionenschweren Schulden wegen alter Kredite, unter anderem auf Grund von Sanierungen von Plattenbauten in den 90er Jahren. Zudem stehen 13 Prozent der GWG-Wohnungen leer.

    Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V. vertritt in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg insgesamt 341 Wohnungsgenossenschaften und -gesellschaften. In ihren 732.000 Wohnungen leben rund 1,5 Millionen Menschen. Im Jahr 2017 investierten die VNW-Unternehmen in den drei Bundesländern insgesamt 1,662 Milliarden Euro in die Sanierung, die Modernisierung und den Neubau bezahlbarer Wohnungen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt in den drei Bundesländern bei den VNW-Mitgliedsunternehmen bei 5,74 Euro.