VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

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    Startschuss für mehr Verdichtung

    VNW-Direktor Andreas Breitner zur Übereinkunft zwischen Senat und Volksinitiative "Hamburgs Grün" über die Ausweitung von Naturschutzgebieten.

    97/2019

    Die Volksinitiative „Hamburgs Grün erhalten“ hat sich mit den Regierungsfraktionen der Hamburgischen Bürgerschaft verständigt und verzichtet auf die Durchführung eines Volksentscheids. Zugleich hat das Hamburger Oberverwaltungsgericht den Bau von 200 Wohnungen im Nordosten der Hansestadt in der Nähe des Wohldorfer Walds mit der Begründung untersagt, dass sich Wohnungsbau auch an Standorten realisieren ließe, die weniger in Konflikt mit dem Natur- und Artenschutz ständen.

    Dazu erklärt Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW):

    „Das sind zwei Nachrichten, die widersprüchlicher nicht sein können. Es ist gut, dass sich Senat und Volksinitiative ‚Hamburgs Grün‘ auf einen Verzicht des Volksentscheids geeinigt haben. Ein Erfolg des Entscheids hätte zum Ende des Baus bezahlbarer Wohnungen geführt.

    Hamburg gibt mit der vereinbarten Ausweitung von Naturschutzgebieten aber auch den Startschuss für mehr Verdichtung. Wenn der Erste Bürgermeister eine Verstetigung der jährlich 10.000 Baugenehmigungen ankündigt und gleichzeitig ausreichend Gewerbeflächen ausweisen will, kommt es zu mehreren Zielkonflikten. ‚Wasch-mir-den-Pelz-aber-mach-mich-nicht-nass‘ funktioniert weder in der Tier- noch in der Politikwelt. Da der Vereinbarung zufolge der Flächenanteil der Naturschutzgebiete von derzeit knapp zehn Prozent erhöht werden soll, werden eben bereits bebaute Quartiere verdichtet werden müssen.

    Die Erfahrungen der VNW-Mitgliedsunternehmen bei der Verdichtung von Wohnviertel sind leider nicht die besten. Heute kann so gut wie kein Wohnungsbauprojekt mehr zeitnah umgesetzt werden, ohne dass es massiven und oftmals erfolgreichen Widerstand aus der Nachbarschaft gibt. Darunter leidet besonders der Bau bezahlbarer Wohnungen. Naturschutz- werden durch  Nachbarschaftskonflikte ersetzt. Vermutlich werden jetzt die Nachbarn statt der Naturschützer mobilisieren. Ob das politisch einfacher wird, bleibt fraglich.

    Aktuelles Beispiel für diese Entwicklung ist das Urteil des Oberverwaltungsgerichts, das im Nordosten Hamburgs den Bau von 200 Wohnungen verhindert. Im konkreten Fall mag es für die Entscheidung triftige Gründe geben. Mich beunruhigt allerdings die Bemerkung des BUND-Landesgeschäftsführers, der das Urteil als eine generelle Stärkung des Naturschutzes bei Konflikten mit dem Wohnungsbau bewertet. Das klingt eher nach einer Drohung als nach Bereitschaft, sich auf die gemeinsame Suche nach Kompromissen im Sinne des bezahlbaren Wohnens zu machen.

    Der VNW vertritt in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg insgesamt 359 Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften. In den von ihnen verwalteten 732.000 Wohnungen leben rund 1,5 Millionen Menschen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt bei den VNW-Unternehmen bei 5,74 Euro. Der VNW ist der Verband der Vermieter mit Werten.

    V.i.S.P.: Oliver Schirg, Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Referat Kommunikation, Telefon: +49 40 52011 226, Mobil: +49 151 6450 2897, Mail: schirg@vnw.de

    Foto: dpa/Axel Heimken