VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

    Meldungen

    Soziale Balance nicht vergessen

    VNW-Direktor Andreas Breitner zur Gründung des Klimarats in Hamburg: "VNW-Unternehmen sind wichtiger Partner beim Klimaschutz."

    25/2020

    In Hamburg wird am heutigen Mittwoch ein Klimarat gegründet. Ziel der Gründungsmitglieder, zu denen VNW-Direktor Andreas Breitner gehört, ist es, Wissenschaft und Gesellschaft im Klimaschutz zu verbinden und der Politik als Dialogpartner zur Verfügung zu stehen. Der Rat ist unabhängig und überparteilich. Ziel ist ein konstruktiver und faktenorientierter Diskurs.

    Dazu erklärt Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW):

    „Die norddeutsche Wohnungswirtschaft kann und will wichtiger Partner beim Klimaschutz und bei der Erreichung der Klimaschutzziele sein. Wir sind deshalb gern Gründungsmitglied des Hamburger Klimarates und ich freue mich darüber, aus diesem Kreis heraus, Impulse für mehr Klimaschutz zu geben. Allein in Hamburg wurden im vergangenen Jahrzehnt durch die VNW-Wohnungsunternehmen rund 6,5 Milliarden Euro in den Klimaschutz investiert. Davon flossen rund 1,3 Milliarden Euro in die Modernisierung. Hinzu kamen Investitionen für Abriss und energetisch hochwertigen Neubau. In der Folge sank der CO2 - Flottenverbrauch um gut ein Fünftel.

    Entscheidend ist für mich, bei all den Bemühungen um mehr Klimaschutz die Bezahlbarkeit des Wohnens nicht aus den Augen zu verlieren. Nur wenn die Mieterinnen und Mieter merken, dass die Mehrkosten für Nachhaltigkeit und Klimaschutz am Ende nicht allein zu ihren Lasten gehen, werden sie die Ziele und die Vorhaben mittragen. Deshalb gilt: Mit mehr Klimaschutz muss das Wohnen in Hamburg bezahlbar bleiben.

    Beispielsweise könnten Wohnungsunternehmen ihren Mieterinnen und Mietern mit Hilfe von Photovoltaikanlagen und Blockheizkraftwerken kostengünstigen Strom zur Verfügung stellen. Das Problem: derzeit hemmen steuerliche Nachteile das Angebot von Mieterstrommodellen. So droht Wohnungsunternehmen der Verlust der Gewerbesteuer- bzw. der Steuerfreiheit. Die Befreiung für diese Unternehmen von Steuerzahlungen ist aber kein Selbstzweck, sondern eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sie bezahlbaren Wohnraum anbieten können.

    Eine andere Möglichkeit, die Klimaschutzziele zu erreichen, besteht darin, Nachhaltigkeit nicht ausschließlich auf das einzelne Wohngebäude zu beziehen. Die energetische Sanierung von Altbauen ist technisch und wirtschaftlich aufwendig und bringt auch ökologisch zu wenig. Sinnvoll ist es, ganze Quartiere in den Blick zu nehmen und zu schauen, inwieweit dort der Verbrauch von Wärme und Energie gesenkt oder Strom emissionsfrei erzeugt werden kann. Erste Untersuchungen legen die Vermutung nahe, dass dadurch die Klimaschutzziele erreicht werden können, ohne dass die Kosten für die Mieterinnen und Mietern explosionsartig steigen.

    Klimaschutzauflagen haben in den vergangenen Jahren erheblich zu dem massiven Anstieg der Baukosten beigetragen. Derzeit liegen die durchschnittlichen Herstellungskosten einer Wohnung in der Hansestadt bei rund 3000 Euro pro Quadratmeter. Allein in den vergangenen drei Jahren stiegen die Herstellungskosten um etwa 13 Prozent. Die Klimaschutzauflagen sind zwar nicht allein für den Anstieg verantwortlich, aber seit dem Jahr 2002 stiegen die Kosten allein infolge der Verordnungen zur Energieeinsparung (EnEV) um 16 Prozent.

    Die im VNW organisierten Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften verstehen sich als Anwälte des bezahlbaren Wohnens für Menschen mit mittlerem und geringem Einkommen. Wir wollen nicht, dass diese Menschen aus ihrer angestammten Heimat vertrieben werden, weil sie ihre Wohnung nicht mehr bezahlen können. Hamburg ist und bleibt eine Mieterstadt. Wer deren Belange berücksichtigt, hat die ganze Stadt im Blick.

    Notwendig ist daher eine Klimapolitik mit Augenmaß. Nicht alles, was wünschenswert ist, kann mit Blick auf die Bezahlbarkeit des Wohnens umgesetzt werden. Andererseits gilt es, Spielräume für mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu nutzen. So könnte Hamburg eigene Förderprogramme ausbauen. Entscheidend ist: Nur wenn die Mehrheit der Hamburgerinnen und Hamburger davon überzeugt sind, wird nachhaltiger Umweltschutz akzeptiert werden.“

    Der VNW vertritt in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein insgesamt 378 Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften. In den von ihnen verwalteten 738.000 Wohnungen leben rund 1,5 Millionen Menschen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt bei den VNW-Unternehmen bei 5,92 Euro. Der VNW ist der Verband der Vermieter mit Werten.

    V.i.S.P.: Oliver Schirg, Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Referat Kommunikation, Telefon: +49 40 52011 226, Mobil: +49 151 6450 2897, Mail: schirg@vnw.de

    Foto: Chu Chen/dpa