VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

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    Sorge vor Kostenexplosion

    Die Stadt Hamburg will das moderne Kohlekraftwerk Moorburg nicht an das Fernwärmenetz anschließen. Bleiben die Mieter auf den Kosten sitzen?

    Im Streit um die Zukunft der Hamburger Fernwärme hat der Energiekonzern Vattenfall versöhnliche Signale an die Stadt gesendet. Zugleich plädierte das Unternehmen dafür, das Kohlekraftwerk Moorburg in die künftige Fernwärmeversorgung des Hamburger Westens einzubeziehen. Das sei deutlich wirtschaftlicher, als neue Anlagen zur Wärmeerzeugung zu errichten.

    Dazu erklärt Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW):

    "Wir warnen den Senat vor Experimenten bei der Fernwärme. Eine politisch ausgelöste Kostenexplosion muss vermieden werden. Tausende Haushalte in Wohnungen von VNW-Mitgliedsunternehmen sind am Hamburger Fernwärmenetz angeschlossen. Sie würden am Ende die deutlich steigenden Energiekosten als ‚zweite Miete‘ zu tragen haben. Bezahlbares Wohnen wird für die Betroffenen damit immer schwieriger. Der Senat muss den Menschen reinen Wein einschenken. Sie werden neben höheren Fernwärmekosten die zusätzlichen Investitionen in Höhe von 300 Millionen Euro tragen müssen.“

    „Der Senat trägt eine besondere Verantwortung für die Entwicklung der ‚zweiten‘ Miete. Er kann nicht auf der einen Seite mit der Wohnungswirtschaft darum ringen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, und auf der anderen Seite dann dafür sorgen, dass die Kosten für Fernwärme deutlich steigen. Die im VNW organisierten Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften sind in Hamburg mit rund 1.000 Anschlüssen im Fernwärmenetz der Hansestadt vertreten. Bereits jetzt belasten die Heizkosten die Haushalte in Wohnungen von VNW-Unternehmen im Durchschnitt mit einem Euro pro Quadratmeter.“

    „Fernwärme ist jetzt im Vergleich zu anderen Wärmeversorgungsformen relativ teuer“, sagte Breitner weiter. „Hinzu kommt: der Preis je Megawattstunde für Kohle ist im Vergleich zu Gas bzw. erneuerbaren Energien deutlich günstiger. Fällt also Kohle aus den Energiemix zur Fernwärme-Erzeugung heraus, kann das den Fernwärmepreis deutlich nach oben treiben.“

    Vattenfall: Moorburg muss an Hamburgs Fernwärmeversorgung angeschlossen werden

    «Die Energiewende ist Realität; wir haben das Ziel, unser Geschäft innerhalb einer Generation zu dekarbonisieren», sagte Tuomo Hatakka, der Chef der deutschen Vattenfall-Organisation, am Mittwoch in der Hansestadt. «Das gilt auch für die Hamburger Fernwärme.» Dekarbonisierung ist ein Fachbegriff für den Verzicht auf fossile Energieträger auf der Basis von Kohlenstoff-Verbindungen wie Kohle, Öl und Gas.

    Gleichzeitig plädierten Hatakka und sein Hamburger Geschäftsführer Pieter Wasmuth erneut dafür, das Kohlekraftwerke Moorburg in die künftige Fernwärmeversorgung des Hamburger Westens einzubeziehen. Das sei deutlich wirtschaftlicher, als neue Anlagen zur Wärmeerzeugung zu errichten. «Wir wollen Nachhaltigkeit mit Bezahlbarkeit kombinieren», sagte Hatakka.

    In dem von Vattenfall favorisierten Modell würde der Kohleanteil an der Fernwärmeversorgung von heute 70 auf rund 20 Prozent reduziert. «Wir sind in einem konstruktiven Dialog mit der Stadt und brauchen eine einvernehmliche Lösung», sagte Hatakka. Moorburg sei als Übergangslösung eine Brücke in eine CO2-freie Zukunft.

    Grüne wollen hingegen auf Kohle verzichten - Kostenpunkt: 300 Millionen Euro

    Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) setzt nach der geplanten Übernahme des Fernwärmenetzes zum Ende des Jahres dagegen auf eine kohlefreie Erzeugung von Fernwärme und will die benötigte Energie aus industrieller Abwärme, Müllverbrennung und Gas erzeugen. Das Kohlekraftwerk Wedel mit einer Kapazität von 390 Megawatt ist überaltert und soll 2021 vom Netz gehen. Dafür wird Ersatz benötigt. Laut Vattenfall könnte das Kraftwerk Moorburg rund 200 Megawatt in das Netz einspeisen. Gegenwärtig erzeugt das Kraftwerk nur Strom; die dabei erzeugte Abwärme wird nicht genutzt.

    Das Modell der Umweltbehörde würde zusätzliche Investitionen von mehr als 300 Millionen Euro nach sich ziehen, die von den Fernwärme-Haushalten bezahlt werden müssten. Während die Umweltbehörde von einer Mehrbelastung von rund zehn Prozent ausgeht, sprechen Kritiker aus anderen Fraktionen in der Hamburger Bürgerschaft von 30 bis 40 Prozent zusätzlicher Belastung. 

    Fernwärmenetz soll mit Beginn des Jahres 2019 in den Besitz Hamburgs übergehen

    Das Fernwärmenetz und die dazugehörende Wärmeerzeugung soll mit Beginn des Jahres vollständig in den Besitz der Stadt übergehen, die bereits mit 25 Prozent beteiligt ist. Das ist ein Ergebnis des Volksentscheides über die Energienetze vom September 2013. In dem Vertrag ist ein Mindestpreis von 950 Millionen Euro vereinbart, den die Stadt an Vattenfall zu zahlen hat. 

    Tatsächlich ist der Wert des Unternehmens jedoch gefallen und liegt deutlich unter diesem Betrag. Das macht den Erwerb für die Stadt schwierig. Falls sie ihre Kaufoption nicht ausübt, kann sie umgekehrt ihre Anteile an Vattenfall verkaufen oder alles so lassen, wie es ist. Näheren Aufschluss soll ein Gutachten zum Wert des Fernwärme-Netzes geben, das im Laufe des Monats veröffentlicht werden soll. Vattenfall hält an dem vereinbarten Preis fest.

    Foto: Fotolia/Sven Petersen