VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

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So klappt's mit sozialem Wohnungsbau

Bordelum im Nordwesten Schleswig-Holsteins will bezahlbaren Wohnraum schaffen. Doch wie? VNW-Direktor Andreas Breitner stand Rede und Antwort.

Bis zu 30 Wohnungen will die Gemeinde Bordelum errichten – auch Sozialwohnungen sollen darunter sein. Um sich Rat zu holen, hatten Vertreter der Gemeindevertretung  sich an Andreas Breitner, Direktor des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) gewandt. Gut 90 Minuten stellte sich der Verbandsdirektor im Gemeindesaal des Pastorats der gut 2000 Einwohner zählenden Kommune den Fragen und verhehlte dabei nicht seine Sympathie für das Projekt.

Der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum und an kleineren Wohnungen hat längst den Nordwesten Schleswig-Holsteins erreicht. Ein Bahnanschluss, reichlich Arbeitsplätze, die Nähe zur Nordsee und zur Bundesstraße 5: der Ort profitiere von seiner guten geografischen Lage, sagte Dieter Paulsen, Vorsitzender des SPD-Ortsverbands eingangs der Veranstaltung. Es gebe vermehrt junge Leute oder Alleinerziehende, die sich zwar kein Einfamilienhaus leisten könnten, aber in Bordelum leben wollten. Pastorin Kerstin Schwarz erzählte von älteren Menschen, die gern aus ihrem Haus ausziehen, aber die Heimat nicht verlassen möchten. „Kleinere Mietwohnungen gibt es hier allerdings nicht.“

VNW-Direktor Breitner kam gleich zur Sache und riet den Gemeindevertretern, Kontakt zur Investitionsbank in Kiel aufzunehmen. „Derzeit ist die Situation günstig. Das Land hat großes politisches Interesse daran, dass Wohnungen gebaut werden - das könnte dabei helfen.“ Experten schätzten, dass bis zum Jahr 2030 in Schleswig-Holstein fast 150.000 Wohnungen gebaut werden müssten, um den Bedarf zu befriedigen, sagte Breitner weiter. „Die Fachleute der Investitionsbank sind die richtigen Ansprechpartner, wenn es um die Förderung durch das Land geht.“

Bordelums Bürgermeister Peter Reinhold Petersen berichtete, dass das für das Bauprojekt vorgesehene Grundstück von der Gemeinde bereits gekauft worden sei. Einen Kindergarten und eine Schule gebe es ganz in der Nähe. Vielleicht entstehe dort einmal so etwas wie ein Zentrum der Gemeinde, sagte Petersen weiter. An den VNW-Direktor richtete er die Frage, was sinnvoller sei: dass die Gemeinde die Wohnungen selbst baue oder sie sich einen starken Partner suche.

Das müsse die Gemeinde natürlich selbst entscheiden, antwortete Breitner. Allerdings sei es sinnvoll, darüber nachzudenken, sich mit einer Wohnungsgenossenschaft zusammen zu tun, die in der Region bereits Wohnungen anbiete. „Die Verwaltung von Mietwohnungen ist nicht ohne und auf dem Gemeindeamt haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sicher anderes zu tun. Außerdem sind Verwaltungskosten umso leichter zu schultern, je größer der Wohnungsbestand ist.“

In diesem Zusammenhang verwies Breitner auf den VNW. „Dem Verband gehören in Schleswig-Holstein 48 Genossenschaften und 22 Wohnungsgesellschaften an. Die durchschnittliche Kaltmiete liegt bei VNW-Mitgliedern bei 5,41 Euro pro Quadratmeter.“ Daran könnten die Anwesenden erkennen, dass VNW-Unternehmen zu den Vermietern gehörten, die bezahlbaren Wohnraum anbieten würden.

„Zudem bauen unsere Mitgliedsunternehmen in hoher Qualität, weil sie die Wohnungen über Jahrzehnte im Bestand behalten“, fügte Breitner hinzu. Die Mieterinnen und Mieter müssten sich also nicht sorgen, dass plötzlich ein anderer Eigentümer um die Ecke komme. „Wer in der Wohnung eines VNW-Mitgliedsunternehmens lebt, der kann sich sicher sein: sicher vor Eigenbedarfskündigung und sicher vor Mietwucher.“

Allerdings müsse vor Baubeginn klar sein, ob wirklich Bedarf an bezahlbaren Wohnungen bestehe, mahnte Breitner. Auch wenn dieser bestehe, müsse stets mit bedacht werden, dass in bezahlbare Wohnungen oft Familien mit Kindern einziehen würden. „Ist also die Kita groß genug? Gibt es wirklich ausreichend Platz in der Schule? Darüber müssen Sie im Gemeinderat vorher nachdenken und gegebenenfalls bereit sein, die zusätzlichen Kosten zu akzeptieren.“

Bürgermeister Petersen verwies darauf, dass ein Ortskernentwicklungsplan in Arbeit sei und dabei sicher auch eine Bedarfsanalyse erfolge. Er könne sich gemischten Wohnungsbau vorstellen: neben Sozialwohnungen etwas teurere Wohnungen. Das sei durchaus möglich, erwiderte VNW-Direktor Breitner. So gebe es in Schleswig-Holstein einen sogenannten zweiten Förderweg. Wohnungen, die in diesem Rahmen errichtet worden seien, könnten für 7,50 pro Quadratmeter vermietet werden.

Zum Abschluss des Gedankenaustauschs regte Andreas Breitner an, über eine Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden in der Region nachzudenken. „Möglicherweise wollen auch andere Gemeinden bauen? Wäre es dann nicht sinnvoll, ein Projekt mit mehr Wohnungen zu errichten? Das würde die Suche nach einem Partner sicher erleichtern.“

Foto: VNW