VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

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    Öffentliche Hand ist gefordert

    VNW-Direktor Andreas Breitner zur Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung: "Wohnungsbau ist unverzichtbar, wird aber schwieriger."

    181/2019

    Einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage der Friedrich-Ebert-Stiftung zufolge hat etwas mehr als jeder zweite Hamburger „Angst, mir das Leben in Hamburg in Zukunft nicht mehr leisten zu können“. Besonders stark sei diese Sorge unter Mieterinnen und Mietern (59 Prozent), bei Menschen, die im Monat mit weniger als 2000 Euro netto auskommen müssen (59 Prozent), und bei Menschen im Alter zwischen 16 und 39 Jahren (61 Prozent) ausgeprägt, erklärte die Stiftung. Auch bei Eltern (58) ist die Sorge über hohe Lebenshaltungskosten in der Hansestadt weit verbreitet. Als wichtigstes Zukunftsthema benannten die Befragten die Themen „Wohnen“ (36 Prozent), „Mobilität/Verkehr“ (31 Prozent) und „Bildung“ (25 Prozent). 90 Prozent der Befragten halten es für schwierig, derzeit in Hamburg eine Wohnung zu finden. 72 Prozent bemängelten, Hamburg unternehme nicht genug, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Zugleich sprachen sich 82 Prozent dafür aus, dass Hamburg als wachsende Stadt mehr bauen müsse.

    Die Studie kann unter dem Button "PDF herunterladen" heruntergeladen und gespeichert werden.

    Dazu erklärt Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW):

    „Die ausgeprägte Angst vor zu hohen Lebenshaltungskosten in Verbindung mit der Sorge über einen Mangel an bezahlbarem Wohnraum bestätigt mich in der Ansicht, dass allein der Bau von Wohnungen helfen kann, den Wohnungsmarkt in Hamburg zu entspannen und damit einen weiteren Anstieg der Wohnkosten zu bremsen. Der Senat sollte also auf seinem in den vergangenen Jahren eingeschlagenen Weg bleiben und dem Wohnungsbau weiterhin höchste Priorität einräumen.

    Das wird nicht einfach, da der Umfrage zufolge eine erhebliche Zahl von Befragten - immerhin 41 Prozent -  für den Bau von Wohnungen keine weiteren Grünflächen opfern will. Vielleicht sogar die gleichen, die auch Sorge um die bezahlbare Wohnung haben. Also auch wenn das heißt, dass die Mieten auf Grund von fehlender Wohnungen weiter steigen werden. Die Verdichtung vorhandener Stadtviertel ist teuer und trifft bereits heute zunehmend auf den Widerstand von Anwohnern. Angst vor steigenden Mieten, aber die große grüne Wiese vor der Tür darf nicht bebaut werden. Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.

    Für die im VNW organisierten Wohnungsunternehmen wird dadurch die Aufgabe, bezahlbare Wohnungen zu errichten und diese über Jahrzehnte günstig zu vermieten, nicht einfacher. Bereits jetzt gefährden Bauverzögerungen und deutlich gestiegene Baupreise manches Wohnungsbauprojekt. 

    Gefordert sind vor allem Politik und Verwaltung. Unbürokratische Genehmigungsverfahren sind genauso unverzichtbar wie der Verzicht auf zusätzliche Anforderungen an die Wohngebäude oder die Wohnquartiere. Die Erstellung von öffentlicher Infrastruktur wie Straßen oder Kinderspielplätze durch Wohnungsunternehmen wird künftig nicht mehr so ohne weiteres möglich sein. 

    Wenn die Wohnungen bezahlbar bleiben sollen, muss die öffentliche Hand wieder ihre ursprünglichen Aufgaben übernehmen und selbst für öffentliche Infrastruktur sorgen. Zudem wird künftig nicht mehr alles Wünschenswerte umgesetzt werden können.  Vor allem Bezirkspolitiker sind hier gefordert und müssen sich der Realität stellen. Oftmals ist weniger mehr.

    Die Hamburger VNW-Unternehmen haben in den vergangenen drei Jahren rund 2,9 Milliarden Euro in den Neubau, die Instandhaltung und die Modernisierung von Wohnungen investiert. Insgesamt übergaben sie seit dem Jahr 2016 mehr als 5000 neu gebaute Wohnungen an Mieterinnen und Mieter. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt bei VNW-Unternehmen gegenwärtig bei 5,92 Euro - also fast zwei Euro niedriger als im Hamburger Durchschnitt. VNW-Unternehmen vermieten in der Hansestadt rund 300.000 Wohnungen. Das sind 43 Prozent aller Mietwohnungen. Zudem lag in Hamburg der Anstieg aller Mieten im vergangenen Jahr bei 1,3 Prozent, während die Preissteigerungsrate 1,9 Prozent betrug.“

    Die Studie kann unter dem Button "PDF herunterladen" heruntergeladen und gespeichert werden. 

    Der VNW vertritt in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg insgesamt 359 Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften. In den von ihnen verwalteten 732.000 Wohnungen leben rund 1,5 Millionen Menschen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt bei den VNW-Unternehmen bei 5,74 Euro. Der VNW ist der Verband der Vermieter mit Werten.

    V.i.S.P.: Oliver Schirg, Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Referat Kommunikation, Telefon: +49 40 52011 226, Mobil: +49 151 6450 2897, Mail: schirg@vnw.de

    Foto: dpa/Christian Charisius