VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

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    Mehr Aufklärung vonnöten

    VNW-Direktor Andreas Breitner zu der vom Bundeskabinett beschlossenen Erhöhung des Wohngelds: ""Die Hilfe liegt bereit, aber niemand weiß es."

    108/2019

    Das Wohngeld soll nach dem Willen des Bundeskabinetts erhöht werden. Zum 1. Januar 2020 solle der staatliche Mietzuschuss für einen Zwei-Personen-Haushalt von 145 Euro auf 190 Euro im Monat steigen, beschloss das Kabinett am Mittwoch in Berlin. Den Zuschuss erhalten derzeit Haushalte mit geringem Einkommen, die zur Miete oder im eigenen Eigentum wohnen und keine Unterstützung wie zum Beispiel Hartz IV bekommen. Die Reform soll vor allem Familien und Rentnern zugutekommen. Anders als bisher soll die Höhe künftig alle zwei Jahre an die Entwicklung von Bestandsmieten und Einkommen angepasst werden.

    Dazu erklärt Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW)

    „Die Entscheidung der Bundesregierung war überfällig, vor allem, da die letzte Anpassung des Wohngeldes im Jahr 2016 erfolgte. Dieses Problem hat man jetzt dadurch gelöst, dass das Wohngeld künftig alle zwei Jahre an Bestandsmieten und Einkommen angepasst werden sollen. Das ist gut so.

    Allerdings ist ein Problem im Norden weiterhin ungelöst: die Hilfe liegt, aber niemand weiß es. Zu wenige Berechtigte kennen ihren Anspruch auf das Wohngeld und beantragen es deshalb nicht. So haben in Schleswig-Holstein Ende 2017 rund 20.500 Haushalte Wohngeld bezogen, rund neun Prozent weniger als im Jahr zuvor. In Mecklenburg-Vorpommern lag die Zahl der Wohngeldempfänger bei rund 23.000. Das war ein Rückgang um etwa 8,4 Prozent im Vergleich zu 2016. In Hamburg war der Rückgang mit elf Prozent am höchsten. Ende 2017 bezogen in der Hansestadt 11.950 Haushalte Wohngeld.

    Wissenschaftler haben unlängst berichtet, dass nur ein Drittel der Anspruchsberechtigten Wohngeld bezieht. Die drei Bundesländer ‚sparen‘ so derzeit Jahr für Jahr rund 218 Millionen Euro an Wohngeld. (Hamburg: 52,8 Millionen Euro, Mecklenburg-Vorpommern: 80,7 Millionen Euro, Schleswig-Holstein 78,7 Millionen Euro). Das ist unterlassene Hilfeleistung durch den Staat! 

    Gerade jetzt, wo die Hilfeleistung sich erhöht, ist es noch wichtiger, die Menschen besser aufzuklären. Im Falle des Wohngelds wäre eine entsprechende Kampagne wirklich sinnvoll. Dabei kann den Menschen zugleich die Sorge genommen werden, dass sie erst ihr Angespartes aufbrauchen oder umziehen müssten, wenn sie Wohngeld beziehen.

    Möglicherweise könnten die Finanzämter helfen. Sollte sich bei der Prüfung einer Steuerklärung herausstellen, dass der Steuerpflichtige einen Anspruch auf Wohngeld hat, sollte ihn das Amt zumindest darauf hinweisen. Besser wäre es, wenn dem Anspruchsberechtigten automatisch das Wohngeld überwiesen wird.

    Der VNW vertritt in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein insgesamt 359 Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften. In den von ihnen verwalteten 732.000 Wohnungen leben rund 1,5 Millionen Menschen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt bei den VNW-Unternehmen bei 5,74 Euro. Der VNW ist der Verband der Vermieter mit Werten.

    V.i.S.P.: Oliver Schirg, Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Referat Kommunikation, Telefon: +49 40 52011 226, Mobil: +49 151 6450 2897, Mail: schirg@vnw.de

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