VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

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    Klimaschutz beeinflusst die Miete

    VNW-Direktor Andreas Breitner: "Wenn die Mieterinnen und Mieter den Klimaschutz bezahlen müssen, dann muss die Politik ehrlich sein. Sagt es ihnen!"

    192/2019

    Die Hamburger Umweltbehörde will offenbar Rahmen des Klimaplans eine umfassende Solarprüfungspflicht für alle Gebäude vorsehen und dort, wo es wirtschaftlich vertretbar ist, die Pflicht zur Installation von Solaranlagen in der Bauordnung verankern. Zudem soll der Einbau von Ölheizungen bereits vom Jahr 2021 an verboten werden. Bei einem Heizungsaustausch soll zudem der Anteil von 20 Prozent erneuerbarer Energien verpflichtend werden.

    Dazu sagt Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW):

    „Im Klimaschutz haben die im VNW organisierten Wohnungsunternehmen keinen Nachholbedarf. Im vergangenen Jahrzehnt wurden durch die Wohnungswirtschaft allein in Hamburg 6,5 Milliarden Euro in den Klimaschutz investiert. Davon flossen rund 1,3 Milliarden Euro in die Modernisierung. Hinzu kamen Investitionen für Abriss und energetisch hochwertigen Neubau. In der Folge sank der Flottenverbrauch um gut ein Fünftel.

    Im Rahmen der ‚Aktion Energiewende für Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit‘ konnte im VNW-Eigenbestand in den Jahren 2005 bis 2015 der spezifische Energieverbrauch für Heizung und Warmwasserbereitung um 14,2 Prozent gesenkt werden. Die daraus resultierenden spezifischen CO2-Emissionen sanken um knapp 14,4 Prozent. Das sind wichtige Erfolge im Ringen um mehr Nachhaltigkeit.

    Eines aber darf in der Debatte nicht vergessen werden: Der Klimaschutz mag bei den Freitagsdemonstrationen das Thema Nummer 1 sein. Auf den Baustellen und bei den Bauplanern sind es die steigenden Baukosten. Klimaschutz und Miete. Beides hängt zusammen und die Vorschläge der Umweltbehörde erreichen vor allem eines: bezahlbares Bauen und in der Folge bezahlbare Mieten in Hamburg werden weiter erschwert.

    Klimaschutzauflagen sind zwar nicht allein für den Kostenanstieg verantwortlich, aber sie haben erheblich dazu beigetragen. So stiegen seit dem Jahr 2002 die Kosten allein infolge der Verordnungen zur Energieeinsparung (EnEV) um 16 Prozent. 

    Keine Frage: zusätzliche Auflagen bei Solaranlagen oder Heizungsaustausch können wichtige Beiträge beim Schutz des Klimas leisten. Bislang ist jedoch eine Frage nicht beantwortet: Wie kann Wohnen bezahlbar bleiben, wenn durch staatliche Auflagen für mehr Klimaschutz Bau und Unterhaltung von Wohnraum ständig teurer werden? 

    Natürlich kann man für eine Pflicht, Solarzellen auf Dächern zu installieren, sein. Da aber weiter auch Stellplätze vorgehalten, Tiefgaragen gefordert und Gründächer gepflanzt werden müssen, entstehen zusätzliche Kosten. Wenn es am Ende die Mieterinnen und Mieter bezahlen müssen, dann sollte die Politik ehrlich sein. Sagt es ihnen!

    Eine vor einigen Tagen veröffentlichte Umfrage ergab, dass die Hamburgerinnen und Hamburger sich am meisten vor steigenden Wohnkosten fürchten. Wer mehr für den Klimaschutz unternehmen will, darf diese Stimmung nicht unterschätzen. Die Akzeptanz von Klimaschutzmaßnahmen in der Gesellschaft hängt ganz wesentlich davon ab, dass die Menschen mit normalem oder geringem Einkommen am Ende nicht über Gebühr zur Kasse gebeten werden.

    Wir erleben bereits jetzt, dass bei bestehenden Wohngebäuden und beim Neubau die Kosten für Klimaschutzmaßnahmen sprunghaft steigen. Zugleich beschließt die Politik beispielsweise durch die Senkung der Modernisierungsumlage Restriktionen im Mietrecht, die es Wohnungsunternehmen erschweren, Investitionen zu refinanzieren. 

    VNW-Unternehmen vermieten ihre Wohnungen über viele Jahrzehnte zu bezahlbaren Mieten. In Hamburg bieten sie gut die Hälfte aller Mietwohnungen an. Bei ihnen liegt die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter derzeit bei 6,79 Euro - also gut zwei Euro unter dem Durchschnittswert des Mietenspiegels. Aber auch VNW-Unternehmen können den Euro nur ein einziges Mal ausgeben und müssen wenigstens eine ‚schwarze Null‘ schreiben. Deshalb ist zu befürchten, dass sie auf Investitionen in die energetische Modernisierung wegen drohender Unwirtschaftlichkeit verzichten müssen. Damit aber wäre niemandem gedient.“

    Der VNW vertritt in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg insgesamt 359 Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften. In den von ihnen verwalteten 732.000 Wohnungen leben rund 1,5 Millionen Menschen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt bei den VNW-Unternehmen bei 5,74 Euro. Der VNW ist der Verband der Vermieter mit Werten.

    V.i.S.P.: Oliver Schirg, Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Referat Kommunikation, Telefon: +49 40 52011 226, Mobil: +49 151 6450 2897, Mail: schirg@vnw.de

    Foto: AdobeStock/Ingo Bartussek