VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

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    Gibt es bereits einen Verkaufsdeal?

    VNW-Direktor Andreas Breitner zur anhaltenden Diskussion über den Verkauf der GWG in Grimmen: Sorge vor Hinterzimmerabsprachen.

    70/2019

    Mecklenburg-Vorpommerns Bauminister Christian Pegel hat der Stadt Grimmen und ihrer Wohnungsgesellschaft GWG Hoffnung beim Abbau von Altschulden gemacht. Im Zuge des Finanzausgleichsgesetzes gebe es einen Entschuldungsanteil für Altschulden und beim Innenministerium die Überlegung, diesen Anteil auch für Altschulden einzusetzen, die durch kommunales Wohnungseigentum entstanden seien, sagte der Politiker in einem Interview der Ostseezeitung.

    Während Grimmens Bürgermeister Benno Rüster bei einem Pressegespräch verdeutlichte, dass er nach wie vor den Verkauf der GWG bevorzuge, machte GWG-Geschäftsführer Gunther Dettmann deutlich, dass unter Bedingungen der Altentschuldung auch eine Konsolidierung und Teilsanierung möglich seien.

    Dazu erklärt Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW):

    „Die Verständigung über den kommunalen Finanzausgleich, der die Übernahme von Altschulden kommunaler Unternehmen durch das Land vorsieht, ist auch eine große Chance für Grimmen und seine Wohnungsgesellschaft. Diese Chance sollten die politisch Verantwortlichen nutzen und dadurch sicherstellen, dass das Wohnungsunternehmen in öffentlicher Hand bleibt. So, wie es beim Bürgerentscheid eine überwältigende Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger zum Ausdruck brachte.

    Vor allem der hohe Schuldenstand – zuletzt war die Rede von mehr als 40 Millionen Euro – verhindert bislang, dass die GWG nicht mehr nachgefragte Wohnungen abreißen und modernen Wohnraum schaffen kann. Jeder vom Land in die Entschuldung von Stadt und Unternehmen gesteckte Euro ist daher eine sinnvolle Investition. Das große Interesse eines privaten Investors belegt doch, dass Grimmen eine gute Zukunft vor sich hat.

    Die Frage, warum ein Unternehmen, das in öffentlicher Hand bleibt, nicht mindestens genauso gut arbeiten kann wie ein von einem privaten Investor geführtes, konnte niemand von den Politikern, die den Verkauf vorangetrieben haben, beantworten. Das Festhalten des Bürgermeisters an der Verkaufsidee und lässt den Verdacht aufkommen, dass es Hinterzimmerabsprachen gibt und bereits ein Verkaufsdeal vereinbart wurde.

    Die Stadt Grimmen würde sich durch den Verkauf ihres Wohnungsunternehmens jeder Chance berauben, die soziale Stadtentwicklung zu steuern. Die Politiker würden zu Bittstellern und liefen Gefahr, bei der Gestaltung ihrer Stadt von Kapitalinteressen abhängig zu werden. Davon, dass eine privatisiert GWG massiv in den bezahlbaren Wohnungsbau investiert, habe ich noch nichts gehört. Am Ende müssten die Mieterinnen und Mieter die Zeche zahlen. 

    Der Verkauf öffentlicher Wohnungsunternehmen um die Jahrtausendwende hat vor allem eines gezeigt: die meisten betroffenen Kommunen haben letzten Endes ein schlechtes Geschäft gemacht und bereuen heute die seinerzeit getroffene Entscheidung. In Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt Kiel wird derzeit sogar ein neues kommunales Wohnungsunternehmen gegründet.

    Der VNW hat sich bereiterklärt, die Stadt und die GWG bei der Suche nach einer Lösung der Probleme zu unterstützen. Dabei stehen verschiedene Möglichkeiten im Raum: die Sanierung der GWG, eine Umwandlung in eine Genossenschaft, die Fusion mit einer anderen Genossenschaft oder die Geschäftsbesorgung durch ein anderes Wohnungsunternehmen.

    Bislang hat sich niemand von der Stadt Grimmen bei uns gemeldet. Kein Gesprächswunsch, keine Einladung, kein Kontakt. Wer wirklich Hilfe braucht, sollte sie, wenn sie angeboten wird, auch annehmen. Wer das nicht tut, braucht sie entweder nicht oder erweckt den Eindruck, er verfolgt andere Ziele. In Grimmen scheinen sich im Rathaus alle Verantwortlichen einig, dass nur der Verkauf an einen einzigen, lange bekannten Investor der richtige Weg ist. Das sehen wir weiter anders.

    Der VNW vertritt in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg insgesamt 359 Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften. In den von ihnen verwalteten 732.000 Wohnungen leben rund 1,5 Millionen Menschen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt bei den VNW-Unternehmen bei 5,74 Euro. Der VNW ist der Verband der Vermieter mit Werten.

    V.i.S.P.: Oliver Schirg, Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Referat Kommunikation, Telefon: +49 40 52011 226, Mobil: +49 151 6450 2897, Mail: schirg(at)vnw.de

    Foto: Fotolia/Elke Hötzel