VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

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    Gegen moderne Stadtentwicklung

    VNW-Direktor Andreas Breitner zu den Volksinitiativen der Mietervereine: "Mietervereine legen die Axt an eine erfolgreiche Wohnungspolitik."

    212/2019

    Einem Bericht des NDR 90,3 zufolge wollen Hamburger Mietervereine zwei Volksinitiativen starten. Zum einen verlangen sie, öffentliche Grundstücke grundsätzlich nur noch in Erbpacht zu vergeben und zum anderen fordern sie vom Senat, auf städtischen Grundstücken nur noch Sozialwohnungen zu bauen.

    Dazu erklärt Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW)

    „Der seit 2011 forcierte Wohnungsbau hat in Hamburg dazu geführt, dass der Anstieg der Mieten inzwischen unter der allgemeinen Preissteigerungsrate liegt und fast 20.000 neue Sozialwohnungen entstanden sind. Das alles war möglich, weil mit dem sogenannten Drittelmix oftmals der soziale Wohnungsbau quersubventioniert wurde.

    Mit ihrem Vorschlag, künftig auf städtischen Grundstücken nur noch den Bau von Sozialwohnungen zu erlauben, legen die Mietervereine die Axt an diese erfolgreiche Wohnungspolitik. Die Folge wäre, dass viele Wohnungsbauprojekte gar nicht mehr umgesetzt werden können, es sei denn, die Stadt stockt die Förderung des sozialen Wohnungsbaus um ein Vielfaches auf.

    Zudem widersprechen die Volksinitiativen moderner Stadtentwicklungspolitik, wonach bunt gemischte Stadtteile am sinnvollsten und attraktivsten sind. Mit ihrer Forderung produzieren die Mietervereine die sozialen Brennpunkte von morgen, die dann wieder mit Hunderten Millionen Euro an Steuergeld saniert werden müssten.

    Grundstücke nur noch im Wege des Erbbaurechts zu vergeben, ist eine wohnungspolitische Sackgasse und wird zu einem deutlichen Rückgang des Baus bezahlbarer Wohnungen führen - in den kommenden zehn Jahren würden allein von den VNW-Wohnungsgenossenschaften bis zu 10.000 bezahlbare Wohnungen nicht errichtet.

    Die im VNW organisierten Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften wollen kaufen und nicht pachten. Der Grund dafür ist einfach: wer ein Grundstück lediglich im Rahmen des Erbbaurechts nutzen kann, benötigt doppelt so viel Eigenkapital für die Finanzierung seiner Neubauprojekte. Banken und Sparkassen beleihen zwar auch Erbbaurechtsverträge, sehen aber darin höhere Risiken und vergeben gegenüber dem Kauf Kredite zu schlechteren Konditionen.

    Derzeit liegt für unsere Unternehmen die Eigenkapitalquote für ein Neubauprojekt bei 20 Prozent. Bei Anwendung des Erbbaurechts würde sich diese Quote auf 40 Prozent erhöhen. Auch Wohnungsunternehmen können den Euro nur einmal ausgeben. Erhöht sich die Bindung von Eigenkapital um 50 Prozent, so reduzieren sich die geplanten Bauprojekte um die Hälfte. Das kann politisch nicht gewollt sein.“

    Der VNW vertritt in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg insgesamt 371 Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften. In den von ihnen verwalteten 732.000 Wohnungen leben rund 1,5 Millionen Menschen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt bei den VNW-Unternehmen bei 5,74 Euro. Der VNW ist der Verband der Vermieter mit Werten.

    V.i.S.P.: Oliver Schirg, Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Referat Kommunikation, Telefon: +49 40 52011 226, Mobil: +49 151 6450 2897, Mail: schirg@vnw.de

    Foto: dpa/Christian Charisius