VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

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    Gefahr steigender Wohnkosten

    VNW-Direktor Andreas Breitner und Haus & Grund-Chef Alexander Blažek: "Minister Albrecht riskiert das bezahlbare Wohnen"

    32/2019

    Schleswig-Holsteins Energieminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) hat eine Bundesratsinitiative von Schleswig-Holstein angekündigt, mit der die EEG-Umlage gesenkt und in die Kohlendioxidbesteuerung eingestiegen werden soll. Ziel sei es, die aus seiner Sicht bestehende Benachteiligung der erneuerbaren Energien im Wettbewerb der Energieträger zu beenden.

    Dazu erklären Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), und Alexander Blažek vom Verband Haus & Grund Schleswig-Holstein:

    „Wir sperren uns nicht gegen eine Kohlendioxidabgabe. Sie würde für mehr Wettbewerb im Energiesektor sorgen und könnte dazu führen, dass unter dem Strich weniger Energie verbraucht wird. So weit, so gut.

    Allerdings fürchten wir, dass zu diesem Zeitpunkt eine Kohlendioxidabgabe fossile Energieträger wie Erdgas und Heizöl erheblich verteuern und damit die Wohnkosten erhöhen wird. Albrechts Vorschläge bringen hohe Risiken für die Wohnkosten mit sich. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um Mietwohnungen oder selbstgenutztes Wohneigentum handelt. Der Strom wird für alle teurer. 

    Die Vorschläge aus Schleswig-Holstein kommen zur Unzeit. Während die Kaltmieten aufgrund der explodierenden Baukosten steigen, scheint der Kieler Energieminister nun einen Frontalangriff auf die ‚zweite Miete‘ wie Strom- und Heizkosten zu fahren. Albrecht riskiert damit das bezahlbare Wohnen.

    Hinzu kommt, dass die Menschen mit einer deutlichen Steigerung der Heizkosten rechnen müssen, weil in Schleswig-Holstein überwiegend mit Erdgas und Heizöl geheizt wird. Hier lassen sich von Hauseigentümern sowie Mieterinnen und Mietern Änderungen nicht von heute auf morgen umsetzen. Zudem kostet eine Umrüstung viel Geld.

    Unabhängig davon, ob eine Kohlendioxidabgabe eingeführt oder nicht, müssen die Menschen in den kommenden Jahren ohnehin steigenden Energiekosten verkraften. Zuletzt stiegen die Preise für die europäischen Kohlendioxidzertifikate deutlich und ein Ende ist nicht absehbar. Ferner ist zu befürchten, dass im Zusammenhang mit dem beschlossenen Ausstieg aus der Kohle die Preise für Heizöl, Benzin und Gas anziehen werden. Auch das ist schon zu bemerken.

    Natürlich ist es sinnvoll, weiterhin mit Hilfe der energetischen Sanierung den Energieverbrauch zu reduzieren. Allerdings hat die jüngste Überprüfung des zwischen der Wohnungswirtschaft und dem Innenministerium geschlossenen Klimapakts ergeben, dass eine Steigerung der Effizienz in der Regel nur noch zu deutlich höhere Kosten zu erreichen ist. Diesen finanziellen Mehraufwand müssen aber die Hauseigentümer bzw. die Mieterinnen und Mieter tragen.

    Klimaschutz und bezahlbares Wohnen dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Zusätzliche energetische Auflagen und umweltpolitische Sonderwünsche verteuern aber Bau von Wohnraum und kollidieren so mit dem von der Gesellschaft gewünschten Ziel, den Mangel an bezahlbaren Wohnungen zu beseitigen. Die politischen Parteien dürfen sich diesem Zielkonflikt nicht entziehen, sondern müssen Prioritäten setzen. Das Wünschenswerte ist oft nicht das Machbare.“

    Haus & Grund Schleswig-Holstein vertritt die Interessen des privaten Grundeigentums und hat landesweit rund 68.300 Mitglieder.

    Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V. vertritt in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg insgesamt 359 Wohnungsgenossen-schaften und Wohnungsgesellschaften. In ihren 732.000 Wohnungen leben rund 1,5 Millionen Menschen. Im Jahr 2017 investierten die VNW-Unternehmen in den drei Bundesländern insgesamt 1,662 Milliarden Euro in die Sanierung, die Modernisierung und den Neubau bezahlbarer Wohnungen. Der VNW ist der Verband der Vermieter mit Werten.

    V.i.S.P.: Oliver Schirg, Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Referat Kommunikation, Telefon: +49 40 52011 226, Mobil: +49 151 6450 2897, Mail: schirg@vnw.de

    Foto: AdobeStock/adam88xx