VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

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    Garanten des sozialen Friedens

    VNW-Direktor Andreas Breitner auf dem Genossenschaftstag von VNW und vdw: „Grüner denken und wieder höher bauen!"

    120/2019

    Rund 200 Gäste auf dem VNW/vdw-Genossenschaftstag in Hamburg. Bezahlbares Wohnen steht im Mittelpunkt der Vorträge und der Diskussionen.

    Hamburg. Der Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Andreas Breitner, hat Architekten, Behörden und Wohnungsunternehmen aufgefordert, in angespannten Wohnungsmärkten den Bau von Hochhäusern zu prüfen. „Wir sollten auch im Norden grüner denken und wieder höher bauen“, sagte der VNW-Direktor am Montag zur Eröffnung des VNW/vdw-Genossenschaftstags in Hamburg. „Der Bau von Hochhäusern kann helfen, in besonders nachgefragten Städten den Mangel an bezahlbaren Wohnungen zu beseitigen. Zugleich sind Hochhäuser nachhaltiger im Sinne des Klimaschutzes.“

    „Wohnungsgenossenschaften stehen für niedrige Mieten und dafür, dass sie Wohnungen nicht verkaufen", sagte VNW-Direktor Andreas Breitner weiter. "Wohnungsgenossenschaften tragen zum sozialen Frieden in Deutschland bei.“ Es sei wichtig, nach dem Superwahltag am vergangenen Sonntag darauf hinzuweisen, dass Wohnungsgenossenschaften „anständige Vermieter sind, die die Mieterinnen und Mieter achten und ihnen dauerhaft ein bezahlbares Zuhause bieten wollen“. Gerade das Genossenschaftsmodell sei entscheidend dafür, ob man in Würde und bezahlbar wohne.

    Mit Blick auf die Frage, inwieweit Hochhäuser dabei helfen könnten, räumte der VNW-Direktor ein, dass auf Grund von Fehlern in der jüngeren Vergangenheit Hochhäuser derzeit nicht den besten Ruf hätten „Das liegt aber nicht an dem Gebäudetyp ‚Hochhaus‘ an sich“, sagte Andreas Breitner. „In der Regel dürften eine falsche Stadtplanung und eine durch die Kommunen vernachlässigte Quartiersentwicklung die Ursache dafür sein. Wer Quartiere zu einem Großteil mit Hochhäusern plant, die soziale Infrastruktur vergisst und am Ende die U-Bahnlinie streicht, der muss sich nicht wundern, dass sich in den Quartieren Probleme häufen.“

    Erfolgreiche Beispiele

    Es gehe aber auch anders, sagte der VNW-Direktor und verwies auf erfolgreiche Beispiele aus dem Verbandsgebiet des VNW. „So vermietet zum Beispiel der Bauverein der Elbgemeinden eG in Hamburg erfolgreich Wohnungen in Hochhäusern an unterschiedlichen Standorten, ohne dass diese als ‚strukturell kritisch“ gelten. Der BVE legt bei Modernisierungen bei Hochhäusern besonderen Wert auf das Erscheinungsbild der Gebäude. Wichtig ist zudem ein ausgeglichener Wohnungsmix mit attraktiven Grundrissen“, sagte Breitner. Mit Blick auf die Alterung unserer Gesellschaft fügt er hinzu: „Spezielle Angebote wie barrierefreie Wohnungen, ein Concierge-Service, moderne Aufzüge und ein größeres Maß an öffentlicher Sicherheit könnten sich an Seniorinnen und Senioren richten.“

    Auch bei der WIRO Wohnen in Rostock Wohnungsgesellschaft mbH seien die Hochhäuser keine Sorgenkinder, sagte VNW-Direktor Andreas Breitner. „Ganz im Gegenteil, es gab dort nie Vermietungsprobleme, auch nicht als die Leerstände in Rostock hoch waren. Der Grund: die WIRO pflegt die Hochhäuser liebevoll. Es gibt Aufzüge, immer einen Hausmeister im Objekt, oft auch einen Concierge und in der Regel einen guten Größenmix für viele Interessenten.“

    Bei der NEUWOBA Neubrandenburger Wohnungsbaugenossenschaft eG gebe es extra ein „Hochhausprogramm“, das Schwerpunkt der Investitionstätigkeit sei, sagte Andreas Breitner weiter. Der VNW-Direktor verwies auf das Beispiel Einsteinstraße 1-7. „In die Sanierung der Gebäude flossen rund 3,2 Millionen Euro. Damit wurden beispielsweise die Fahrstühle modernisiert, so dass jetzt der Stopp auf nahezu jeder Etage möglich ist. Die Hauseingänge sind nun barrierefrei, und es wurden besonders beliebte Unterstellmöglichkeiten für Fahrräder, Rollatoren und Kinderwagen geschaffen.“

    Die WGS Wohnungsgesellschaft Schwerin mbH habe in den vergangenen zwanzig Jahren rund 20,3 Millionen Euro in die Sanierung von mehreren Hochhäusern investiert, sagte Breitner. „Dafür wurden neuen Aufzüge angebaut, die Fassaden und Bäder saniert. Zudem richtete man einen sogenannte Concierge-Bereich für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein, die als erste Ansprechpartner fungieren sowie für Ordnung und Sicherheit sorgen.“ Ein Gebäude mit 380 überwiegend Ein-Zimmer-Wohnungen sei auch deshalb unter älteren Menschen besonders gefragt.

    Die WOGE Wohnungs-Genossenschaft Kiel eG wiederum hat in den vergangenen Jahren rund zwei Millionen Euro in ein Hochhaus mit 78 Wohnungen investiert. 16 Wohnungen davon würden öffentlich gefördert. „Das Geld floss unter anderem in die Sanierung des Treppenhauses, von Balkonen, Bäder und Küchen sowie des Fahrstuhls“, sagte Breitner und fügte hinzu: „Eine Fluktuationsrate von rund acht Prozent zeigt: Hochhäuser mit gemischter Mieterschaft können funktionieren und zu bezahlbaren Preisen vermietet werden. Bei der WOGE in Kiel liegt die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter bei 6,24 Euro.“

    Renaissance des Hochhauses im Norden

    Breitner plädierte für eine Renaissance des Hochhauses im Norden. „Umparken im Kopf und einfach mal grüner und freier denken. Ich meine damit nicht 30-stöckige Wolkenkratzer. Aber es wäre sinnvoll, an geeigneten Standorten statt eines fünf- ein achtstöckiges Gebäude zu errichten.“ Das wäre angesichts der anhaltenden Diskussionen um den Klimaschutz ein wichtiger Beitrag der Wohnungswirtschaft, da auf knapper werdendem Baugrund mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden könne.

    Der VNW-Direktor verwies darauf, dass Hochhäuser ein ausgewogenes Nebeneinander von verdichtetem Wohnen und Umweltschutz ermöglichen. „Mancher, der heute schon in der Stadt wohnt, sorgt sich um den Verlust von Grünflächen. Hochhäuser könnten dieser Sorge Rechnung tragen und den Flächenbedarf begrenzen.“ Höhere Gebäude wären zudem nachhaltiger, weil keine neuen Straßen, Bahnhöfe oder andere Infrastruktur gebaut werden müssten.

    VNW-Direktor Andreas Breitner forderte die Länder und Kommunen auf, baurechtliche und -planerische Voraussetzungen für den Bau von Hochhäusern zu überarbeiten. „Mir ist klar, dass auch beim Bau von Hochhäusern großer Wert auf Nachhaltigkeit gelegt werden muss. Ich weiß auch um die höheren Kosten, weil beispielsweise Brandschutzauflagen für derartige Gebäude mächtig ins Geld gehen. Hier ist die Kreativität der Politik gefordert, Lösungen zu finden, damit sich Hochhäuser auch im Drittelmix rechnen.“

    An dem diesjährigen VNW/vdw-Genossenschaftstag, der noch bis Dienstag dauert, nehmen rund 200 Gäste teile. Die Tagung steht unter dem Titel „Menschen. Würdig. Wohnen.“ Dabei steht das generationengerechte Wohnen genauso im Mittelpunkt wie die Sicherheit in den Quartieren.

    Der VNW vertritt in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein insgesamt 359 Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften. In den von ihnen verwalteten 732.000 Wohnungen leben rund 1,5 Millionen Menschen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt bei den VNW-Unternehmen bei 5,74 Euro. Der VNW ist der Verband der Vermieter mit Werten.

    V.i.S.P.: Oliver Schirg, Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Referat Kommunikation, Telefon: +49 40 52011 226, Mobil: +49 151 6450 2897, Mail: schirg(at)vnw.de

    Foto: VNW/Bertold Fabricius