VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

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    Es fehlen Fachkräfte

    VNW-Direktor Andreas Breitner zum 1. Mai: "Der Mangel an Fachkräften ist eine ernste Gefahr für den Bau bezahlbarer Wohnungen."

    101/2019

    Hamburg. Der Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Andreas Breitner, hat aus Anlass des Tages der Arbeit vor dem zunehmenden Fachkräftemangel in der Wohnungswirtschaft gewarnt. 

    „Die Baukonjunktur ist in Gefahr. Bald passt kein Stein mehr auf den anderen. Der Mangel an Fachkräften auf dem Bau, in den Behörden und bei den Wohnungsunternehmen gefährdet inzwischen den Bau bezahlbarer Wohnungen und damit die Lösung der aktuellen Probleme auf dem Wohnungsmarkt“, erklärte VNW-Direktor Andreas Breitner am Mittwoch. „Ohne qualifizierte Techniker und Ingenieure wird es keinen Neubau geben. Es ist richtig, dass Bund und Länder mehr Geld für die Schaffung von Wohnraum zur Verfügung stellen. Mit ähnlich großem Engagement muss dem Engpass an Fachkräften begegnet werden.“

    „Einer Studie der Förderbank KfW zufolge fehlen Fachkräfte im Klempner-, Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk“, sagte Breitner. „Vor allem Meister sind schwer zu bekommen, aber zunehmend auch andere qualifizierte Mitarbeiter. Das Problem wird sich leider nicht rasch lösen lassen. So konnten im vergangenen Jahr im Handwerk Tausende Ausbildungsplätze nicht besetzt werden.“

    „Weil es Bauunternehmen an Fachleuten fehlt, bewerben sie sich nicht mehr auf ausgeschriebene Aufträge“, fügte Breitner hinzu. „Eine Kurzumfrage unter VNW-Unternehmen hat ergeben, dass inzwischen nur noch etwa die Hälfte der Bauunternehmen ein Angebot auf ausgeschriebene Bauleistungen abgibt.“

    „Zudem halten Unternehmen als Folge des Mangels an Fachkräften vereinbarte Bauzeiten weniger ein und es sinkt die Qualität in der Bauausführung. VNW-Unternehmen zufolge sind folgende Gewerke besonders betroffen: Rohbau, Gerüstbau, Fassadenarbeiten, Heizung, Sanitär, Lüftung, Elektro und Metallbau.“

    „Auch in den staatlichen Bauämtern wurden die Stellen in den vergangenen Jahren erheblich reduziert“, sagte VNW-Direktor Breitner weiter. „Jetzt, wo in kurzer Zeit viel gebaut werden soll, kommen die Beamtinnen und Beamten mit der Arbeit kaum mehr nach. Das führt dazu, dass die Erteilung einer Baugenehmigung deutlich länger als vor einigen Jahren dauert. So berichteten Zeitungen, dass sich in Hamburg im vergangenen Jahr die durchschnittliche Wartezeit auf eine Baugenehmigung zum Teil deutlich verlängert habe.“

    „Die Lage auf dem Fachkräftemarkt wird dadurch erschwert, dass an den Hochschulen die Ausbildung von Bauingenieuren vernachlässigt wurde“, sagte Breitner weiter. „In Mecklenburg-Vorpommern wächst beispielsweise die Gefahr, dass es in dem Bundesland schon bald nicht mehr möglich sein wird, ein Bauingenieursstudium zu absolvieren - von Spitzenforschung ganz zu schweigen.“

    „Deutschland ist nicht fertig gebaut. Wir brauchen eine Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive, sonst passt bald kein Stein mehr auf den anderen. Am Ende schadet der Mangel an Bauingenieuren den Wohnungsunternehmen vor Ort. Genehmigungsverfahren dauern dann länger als notwendig und Bauämter brauchen mehr Zeit, um dringend benötigtes Bauland auszuweisen. Das gilt vor allem für anspruchsvolle Innenbereiche der Kommunen.“

    Es gebe erste Schritte, den Mangel an Fachkräften zu beseitigen, erklärte VNW-Direktor Andreas Breitner. „In Schleswig-Holstein haben sich Hochschulen mit bau- und planungsbezogenen Studiengängen zur ‚Initiative Bauwesen‘ zusammengeschlossen. An der Fachhochschule Kiel wird ein Studiengang Bauingenieurwesen geschaffen und an der TH Lübeck wird die Einführung eines Bachelorstudiengangs für Stadtplanung und Ortsentwicklung diskutiert.“

    Der VNW vertritt in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein insgesamt 359 Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften. In den von ihnen verwalteten 732.000 Wohnungen leben rund 1,5 Millionen Menschen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt bei den VNW-Unternehmen bei 5,74 Euro. Der VNW ist der Verband der Vermieter mit Werten.

    V.i.S.P.: Oliver Schirg, Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Referat Kommunikation, Telefon: +49 40 52011 226, Mobil: +49 151 6450 2897, Mail: schirg@vnw.de

    Foto: AdobeStock/Robert Kneschke