VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

    Meldungen

    Eine Fata Morgana

    VNW-Direktor Andreas Breitner zur Diskussion über die Einführung einer Fehlbelegungsabgabe für Sozialwohnungen.

    207/2019

    Der schleswig-holsteinische Landtag hat einen Antrag des SSW über die Einführung einer Fehlbelegungsabgabe für Sozialwohnungen beraten und diesen dann an einen Parlamentsausschuss überwiesen. Zudem soll es künftig möglicherweise eine öffentliche Förderung für qualifizierte Mietspiegel in den Kommunen geben.

    Dazu erklärt Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW):

    „Der Vorschlag über die Einführung einer Fehlbelegungsabgabe lenkt von der eigentlichen Aufgabe ab, den Mangel an bezahlbarem Wohnraum zu beseitigen. Wir lehnen eine regelmäßige Überprüfung der Bedürftigkeit von Mieterinnen und Mietern ab. Durch eine derartige Schnüffelpraxis entsteht nicht eine einzige neue bezahlbare Wohnung. Vielmehr werden die Mieterinnen und Mieter verunsichert, was das gute nachbarschaftliche Klima in den Quartieren schädigen würde. Zudem stehen die entsprechenden Verwaltungskosten in keinem Verhältnis zu dem Ertrag.

    Außerdem halten wir die Erwartung, dass dadurch Tausende von Wohnungen frei oder die Fehlbelegung kostenpflichtig gemacht werden, für weit überzogen. Der Professor, der vor zwanzig Jahren als Student in eine kleine Sozialwohnung eingezogen ist und heute noch in dieser wohnt, ist eine Fata Morgana. Das sind, wenn überhaupt, seltene Einzelfälle, für die eine flächendeckende und aufwändige Prüfung und Überwachung unverhältnismäßig wäre. Wir sollten das Geld lieber in den Neubau statt in unnötige Bürokratie stecken. 

    Die Vergangenheit lehrt, dass nur eine gute Mischung von einkommensstarken und einkommensschwachen Haushalten stabile Wohnquartiere garantiert. Wenn Haushalte mit höherem Einkommen plötzlich eine deutlich höhere Miete zahlen müssten, werden sie wegziehen. Das haben die vergangenen Jahrzehnte gezeigt. Am Ende bleiben sozial schwierige Quartieren übrig. Es hat unsere Gesellschaft viele Jahre und zig Millionen Euro gekostet, die betroffenen Quartiere wieder zu stabilisieren.

    Die Förderung qualifizierter Mietenspiegel in Kommunen ist sicher eine bedenkenswerte Idee. Allerdings schafft auch ein Mietspiegel keine einzige Wohnung. Sinnvoll wäre es, das Fördergeld in die Schaffung von bezahlbaren Wohnungen zu investieren.“

    Der VNW vertritt in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg insgesamt 359 Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften. In den von ihnen verwalteten 732.000 Wohnungen leben rund 1,5 Millionen Menschen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt bei den VNW-Unternehmen bei 5,74 Euro. Der VNW ist der Verband der Vermieter mit Werten.

    V.i.S.P.: Oliver Schirg, Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Referat Kommunikation, Telefon: +49 40 52011 226, Mobil: +49 151 6450 2897, Mail: schirg@vnw.de

    Foto: AdobeStock/hanohiki