VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

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    Drittelmix hat sich bewährt

    VNW-Direktor Andreas Breitner zu den Ankündigungen der Hamburger Grünen im aktuellen Bürgerschaftswahlkampf.

    Hamburgs Grüne haben am Montag Punkte vorgestellt, die sie nach der Bürgerschaftswahl umsetzen wollen. Dazu gehört, dass für den Bau von Wohnungen geeignete öffentliche Grundstücke grundsätzlich nur noch im Wege des Erbbaurechts vergeben werden. Zudem wollen die Grünen künftig bei der Genehmigung von Neubauprojekten lageabhängig über den Anteil von Sozialwohnungen entscheiden.

    Dazu erklärt Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW):

    „Der VNW und seine Mitgliedsunternehmen sind mit der Entscheidung zum Erbbaurecht nicht glücklich. Die Vergabe öffentlicher Baugrundstücke ausschließlich im Wege des Erbbaurechts hat einige Fallstricke, die am Ende dem Ziel, bezahlbare Wohnungen zu errichten, schaden werden. Grundstücke nur noch im Wege des Erbbaurechts zu vergeben, ist eine wohnungspolitische Sackgasse, die dazu führen kann, dass in den kommenden zehn Jahren allein von den VNW-Wohnungsunternehmen bis zu 10.000 bezahlbare Wohnungen nicht errichtet werden.

    Die im VNW organisierten Wohnungsgenossenschaften und -gesellschaften schultern einen großen Teil des Neubaus bezahlbarer Wohnungen in Hamburg. In den vergangenen vier Jahren errichteten sie 7000 preiswerte Wohnungen. Sie wollen Grundstücke aber kaufen und nicht pachten. Der Grund dafür ist einfach: wer ein Grundstück lediglich im Rahmen des Erbbaurechts nutzen kann, benötigt doppelt so viel Eigenkapital für die Finanzierung seiner Neubauprojekte.

    Derzeit liegt für unsere Unternehmen die Eigenkapitalquote für ein Neubauprojekt bei 20 Prozent. Bei Anwendung des Erbbaurechts würde sich diese Quote auf 40 Prozent erhöhen. Auch die im VNW organisierten Wohnungsunternehmen können den Euro nur einmal ausgeben. Erhöht sich die Bindung von Eigenkapital um 50 Prozent, so reduzieren sich die geplanten Bauprojekte um die Hälfte. Das kann politisch nicht gewollt sein.

    Die von den Grünen ins Gespräch gebrachte Änderung des Drittelmix’ ist schwierig umzusetzen. Eine starre Quote für einzelne Stadtviertel kann dazu führen, dass angesichts hoher Grundstückspreise und dramatisch gestiegener Baukosten viele Wohnungsbauprojekte nicht mehr umgesetzt werden könnten. Pauschale Vorgaben erschweren den Wohnungsbau massiv und machen ihn an vielen Orten unmöglich.

    Die bewährte Vorgabe, wonach öffentliche Grundstücke grundsätzlich im Wege der Konzeptausschreibung zu vergeben sind, sorgt dafür, dass soziale Belange der Stadt berücksichtigt werden. Dort, wo es sinnvoll ist, kann der Anteil der geförderten Wohnungen bei mehr als 30 Prozent liegen. Bei anderen Projekten wiederum können besondere Bedarfe der Stadt - beispielsweise nach günstigen Wohnungen für Senioren oder Auszubildende - berücksichtigt werden. Entscheidend ist stets das, was vor Ort machbar und sinnvoll ist.“

    Foto: mgf/Steven Haberland