VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

    Meldungen

    Direkt in den Wohnungsnotstand

    VNW-Direktor Andreas Breitner kritisiert Hamburgs Justizsenator Till Steffen (Grüne), der die Mietpreisbremse drastisch verschärfen will.

    Hamburgs Justizsenator Till Steffen (Grüne) unterstützt die Berliner Bundesratsinitiative, die weit über die Verabredungen des Bundes-Koalitionsvertrages hinausgehende Eingriffe in das Mietrecht anstrebt. So soll die Mietpreisbremse auch nach einer umfassenden Modernisierung gelten. Die Modernisierungsumlage wiederum soll von jetzt elf auf sechs Prozent gesenkt werden.

    Dazu erklärt Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW):

    „Die Vorschläge von Senator Steffen führen geradewegs in den Wohnungsnotstand. Sollte die ohnehin schon untaugliche Mietpreisbremse derart verschärft werden, werden in Hamburg künftig bezahlbare Wohnungen weder gebaut noch modernisiert werden.“

    „Auch die Grünen müssen verstehen, dass Wohnungsunternehmen, die dauerhaft rote Zahlen schreiben, keine Zukunft haben. Eine Senkung der Sanierungsumlage führt nur dazu, dass Arbeiten aufgeschoben oder unterlassen werden.“

    "Die durchschnittliche Kaltmiete der VNW-Mitgliedsunternehmen liegt in Hamburg derzeit bei 6,46 Euro und damit gut zwei Euro niedriger als die Durchschnittsmiete des Mietspiegels. Wer bezahlbaren Wohnraum will, der muss jene Unternehmen unterstützen, die ihn errichten und anbieten.“

    „Auch die Grünen könnten sich dafür einsetzen, dass die im VNW organisierten Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften öffetnliche Grundstücke schneller und bevorzugt erhalten. Unsere Unternehmen bauen, wenn man sie lässt.“ 

    „Auch die Grünen könnten sich für einen Abbau der Bürokratie einsetzen. Das umfangreiche Baurecht verzögert viele Bauvorhaben und macht diese teurer. Die Zeche zahlen am Ende die Mieter. 

    Auch die Grünen könnten aktiv werden und den „schwarzen Schafen“ das Handwerk legen. „Es wäre sinnvoll, Paragraf 5 im Wirtschaftsstrafgesetz, der die Mietpreisüberhöhung sanktioniert, zu überarbeiten. Bislang ist die Regelung ein zahnloser Tiger."

    "Das alles ist nicht so populistisch und klingt nicht so gut wie 'Mietpreisbremse' aber es lohnt die Mühe und wäre wirksam.“

    „Das Hauptproblem einer Mietpreisbremse besteht aber darin: sie schafft nicht eine einzige Wohnung. Sie löst nicht das Problem auch nur eines einzigen Menschen, der eine bezahlbare Wohnung sucht. Vielmehr weckt diese Regelungen Hoffnungen, die am Ende enttäuscht werden. Wir haben auf dem Hamburger Wohnungsmarkt kein Nachfrage-, sondern ein Angebotsproblem.“

    „Wer heute in der Hansestadt eine Wohnung neu vermieten will, hat mindestens 50 Bewerber. Wenn die Wohnung zwei Euro günstiger den Quadratmeter angeboten wird, steigt die Zahl der Bewerber auf 80. Am Ende kann aber nur einer die Wohnung bekommen. Der Vermieter wird sich fast immer für denjenigen entscheiden, von dem er glaubt, dass er sich die Wohnung dauerhaft leisten kann. Die anderen gehen leer aus. Der, der sich auch die ungebremste Miete leisten könnte, bekommt die Wohnung dann auch noch billiger.“

    „Der Wohnungsmarkt ist bereits durch viele Regeln, die sozialen Ausgleich zum Ziel haben, geprägt. Zudem gibt es beispielsweise in Hamburg seit mehreren Jahren eine Mietpreisbremse, ohne dass diese dazu führte, den auf dem Wohnungsmarkt lastenden Druck zu reduzieren. Die Landesregierung in Schleswig-Holstein überprüft die Regelung daher mit dem Ziel der Abschaffung auf ihre Wirksamkeit.“

    Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V. vertritt in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg insgesamt 341 Wohnungsgenossenschaften und -gesellschaften. In ihren 732.000 Wohnungen leben rund 1,5 Millionen Menschen. Im Jahr 2017 investierten die VNW-Unternehmen in den drei Bundesländern insgesamt 1,662 Milliarden Euro in die Sanierung, die Modernisierung und den Neubau bezahlbarer Wohnungen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt bei den VNW-Mitgliedsunternehmen bei 5,74 Euro.

    Foto: dpa/Daniel Karmann