VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

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    Die Kehrseite des Booms

    VNW-Direktor Andreas Breitner: Die sehr gute Auftragslage in der Bauwirtschaft führt dazu, dass der Bau von Wohnungen schwieriger und teurer wird.

    Der Gesamtumsatz von Schleswig-Holsteins Bauhauptgewerbe hat im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahr um zwei Prozent auf 927 Millionen Euro zugelegt. Der Zuwachs im Wohnungsbau betrug neun Prozent auf 386 Millionen Euro.

    Dazu erklärt Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW):

    „Diese beeindruckende Entwicklung des Baugewerbes hat zwei Seiten: einerseits ist die hohe Auslastung für die Sicherheit der Arbeitsplätze mehrerer Tausend Bauarbeiter eine beruhigende Nachricht. Für die Wohnungswirtschaft geht das Umsatzwachstum der Bauwirtschaft hingegen mit einem deutlichen Mangel an Kapazitäten in der Bauwirtschaft einher. Und dieser Mangel behindert inzwischen massiv den Bau bezahlbarer Wohnungen. Zudem haben bauwillige Wohnungsunternehmen infolge des Baubooms inzwischen mit deutlich steigenden Kosten für die Errichtung von bezahlbaren Wohnungen zu kämpfen.“

    „Eine Kurzumfrage unter VNW-Unternehmen hat ergeben, dass inzwischen nur noch etwa die Hälfte der Bauunternehmen ein Angebot auf ausgeschriebene Bauleistungen abgeben", erklärt Breitner. Von einem normalen „Ausschreibungsverfahren“ könne schon seit einiger Zeit nicht mehr gesprochen werden. „Wenn sich aber auf eine Ausschreibung nur noch ein Unternehmen meldet, dann wird die Suche nach dem günstigsten Angebot schwierig“, erklärt Breitner und fügt hinzu: „Die Folgen sind höhere Preise, das Nichteinhalten von Bauzeiten und eine geringere Qualität in der Bauausführung.“

    Beispiele für deutliche Kostensteigerungen in Schleswig-Holstein:

    1. Ein Lübecker Wohnungsunternehmen beklagt, dass die Zahl der Angebote auf eine öffentliche Ausschreibung hin stark rückläufig sei. Das führe dazu, dass die Ausschreibungsergebnisse „deutlich über den veranschlagten Kosten auf Basis der bepreisten Leistungsverzeichnisse“ liegen würden. So hätten bei einem unlängst begonnenen Bauvorhaben die Kosten für die Rohbauarbeiten mehr als 50 Prozent über den Planungen gelegen.

    2. Ein anderes Lübecker Wohnungsunternehmen wollte im kommenden Jahr mit dem Bau von rund 90 Wohnungen beginnen und erhielt im Wege einer Vorabanfrage bei Rohbauunternehmen die Auskunft, dass für das kommende Jahr keine Kapazitäten mehr vorhanden seien. Der Baubeginn wurden jetzt auf nach 2020 verschoben. 

    3. Ein Wohnungsunternehmen aus dem Norden Schleswig-Holsteins berichtete, dass man Ende der 2000-er Jahre mit Herstellungskonten von rund 1.300 – 1.500 Euo pro Quadratmeter kalkulieren konnte. Jetzt liege man mindestens bei 2.200 Euro pro Quadratmeter.

    4. Ein weiteres Wohnungsunternehmen aus dem Norden Schleswig-Holsteins berichtete, dass die Baukosten sich immer weiter von den angesetzten Plankosten entfernten. Man könne das auf Grund der guten Lage am Kapitalmarkt und der Förderkulisse im Land derzeit zwar noch auffangen. Für weitere Baumaßnahmen im Neubaubereich sehe man bei weiteren Kostensteigerungen aber Schwierigkeiten auf das Unternehmen zukommen.

    Fazit Andreas Breitner:

    „Wir brauchen einen verstärkten Dialog mit dem Baugewerbe, um den Ursachen auf die Spur zu kommen. Fakt ist, dass Angebot und Nachfrage im Neubau nicht mehr in einem gesunden Verhältnis stehen.“