VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

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    Die Axt am Wohnungsbau

    Zwei Volksinitiativen in Hamburg gestartet. VNW-Direktor Andreas Breitner fürchtet, dass der Bau bezahlbarer Wohnungen erschwert würde. 

    222/2019

    Hamburger Mietervereine haben am Donnerstag den Start von zwei Volksinitiativen bekannt gegeben. Zum einen sollen öffentliche Grundstücke grundsätzlich nur noch in Erbpacht vergeben werden. Zum anderen sollen künftig auf öffentlichen Grundstücken nur noch Wohnungen gebaut werden dürfen, deren monatliche Nettokaltmiete nicht höher als gegenwärtig 6,60 Euro pro Quadratmeter liegt. Mietsteigerungen sollen nur noch so hoch wie die Inflationsrate, maximal jedoch zwei Prozent sein dürfen.

    Dazu erklärt Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW)

    "Die beiden Volksinitiativen legen die Axt an den Bau bezahlbarer Wohnungen in Hamburg. Sie bedrohen im Kern das erfolgreiche Hamburger Wohnungsbauprogramm und bergen die Gefahr, dass künftig weniger bezahlbare Wohnungen errichtet werden und Menschen länger als bisher auf eine Wohnung warten müssen.

    Seit dem Jahr 2011 wurden in Hamburg rund 56.000 Wohnungen gebaut. Darunter waren rund 15.000 öffentlich geförderte Wohnungen. Das hat dazu geführt, dass der Anstieg der Mieten inzwischen unter der allgemeinen Preissteigerungsrate liegt. Das hat der erst vor einigen Tagen vorgestellte Mietenspiegel belegt.

    Damit ist Hamburg das Vorzeigebeispiel für eine gute und wirksame Wohnungspolitik. Wien? Wieso Wien? Hamburg setzt den Maßstab. Hier kann man an den Wohnungsmarktzahlen ablesen, wie durch ein Zusammenwirken aller Partner der Wohnungsmarkt gesundet.

    Die von der Wohnungswirtschaft Ende Oktober veröffentlichte Studie des Forschungsinstituts Center for Real Estate Studies (CRES) basiert auf der Auswertung von rund 270.000 realen Mietverträgen. Der Studie zufolge beträgt die monatliche Kaltmiete pro Quadratmeter in Hamburg im Durchschnitt 8,21 Euro. 90 Prozent aller Mieten liegen unter 10,89 Euro pro Quadratmeter, fast 70 Prozent zwischen 6,19 und 10,24 Euro pro Quadratmeter.

    Die Forderung, künftig auf städtischen Grundstücken nur noch den Bau von Sozialwohnungen zu erlauben, widerspricht moderner Stadtentwicklungspolitik, wonach bunt gemischte Stadtteile am sinnvollsten und attraktivsten sind. Mit ihrer Forderung produzieren die Volksinitiativen die sozialen Brennpunkte von morgen, die dann wieder mit Hunderten Millionen Euro an Steuergeld saniert werden müssen.

    Wir sollten nicht die Fehler der siebziger Jahre wiederholen. Fehler kann man machen, aber man sollte aus ihnen lernen. Z.B. den Stadtteil der Zukunft, Oberbillwerder, nur im geförderten Wohnungsbau zu realisieren, wäre grundfalsch. Steilshoop und Osdorfer Born sind keine guten Beispiele für eine gute und intakte Stadtentwicklung. Da sind wir heute mit dem Drittelmix und einer gesunden Durchmischung weiter. 

    Grundstücke nur noch im Wege des Erbbaurechts zu vergeben, ist eine wohnungspolitische Sackgasse. Sollten in Hamburg Grundstücke nur noch über das Erbbaurecht vergeben werden, werden in den kommenden zehn Jahren allein von den VNW-Wohnungsgenossenschaften bis zu 10.000 bezahlbare Wohnungen nicht errichtet.

    Die im VNW organisierten Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften schultern einen großen Teil des Neubaus bezahlbarer Wohnungen in Hamburg. Sie wollen kaufen und nicht pachten. Der Grund dafür ist einfach: wer ein Grundstück lediglich im Rahmen des Erbbaurechts nutzen kann, benötigt doppelt so viel Eigenkapital für die Finanzierung seiner Neubauprojekte. 

    Banken und Sparkassen beleihen zwar auch Erbbaurechtsverträge, sehen aber darin höhere Risiken und vergeben gegenüber dem Kauf Kredite zu schlechteren Konditionen. Wer pachtet, ist nicht Eigentümer des Grundstücks. Zudem trägt er das Risiko des sogenannten Heimfalls von Grundstück und Gebäude, wenn der Erbbaurechtsvertrag ausläuft.

    Derzeit liegt für unsere Unternehmen die Eigenkapitalquote für ein Neubauprojekt bei 20 Prozent. Bei Anwendung des Erbbaurechts würde sich diese Quote auf 40 Prozent erhöhen. Auch Wohnungsun-ternehmen können den Euro nur einmal ausgeben. Erhöht sich die Bindung von Eigenkapital um 50 Prozent, so reduzieren sich die geplanten Bauprojekte um die Hälfte. Das kann politisch nicht gewollt sein."

    Der VNW vertritt in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg insgesamt 371 Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften. In den von ihnen verwalteten 732.000 Wohnungen leben rund 1,5 Millionen Menschen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt bei den VNW-Unternehmen bei 5,74 Euro. Der VNW ist der Verband der Vermieter mit Werten.

    V.i.S.P.: Oliver Schirg, Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Referat Kommunikation, Telefon: +49 40 52011 226, Mobil: +49 151 6450 2897, Mail: schirg@vnw.de

    Foto: AdobeStock/Olivier Le Moal