VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

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    „Das ist unterlassene Hilfeleistung!"

    Die Zahl der Wohngeldempfänger ist 2018 in Schleswig-Holstein und Hamburg um fünf Prozent gesunken. Kritik von VNW-Direktor Andreas Breitner.

    139/2019

    Hamburg/Kiel. Trotz steigender Mieten und des Mangels an bezahlbarem Wohnraum ist im vergangenen Jahr die Zahl der Menschen, die Wohngeld erhalten, in Hamburg und Schleswig-Holstein jeweils um fünf Prozent gesunken. Das geht aus jüngsten Veröffentlichungen des Statistisches Amts für Hamburg und Schleswig-Holstein hervor. In Mecklenburg-Vorpommern werden die Zahlen erst später veröffentlicht.

    „Die Zahlen sind beunruhigend“, sagt Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW). „Wissenschaftler gehen nämlich davon aus, dass nur jeder Dritte, der Anspruch darauf hat, die staatliche Unterstützung auch erhält. Viele Menschen wüssten gar nicht, dass ihnen diese finanzielle Unterstützung zusteht“, so der VNW-Direktor. Die beiden Bundesländer ‚sparten‘ im vergangenen Jahr so zu Lasten Bedürftiger rund 125 Millionen Euro.

    „Ich bezeichne das als eine unterlassene Hilfeleistung durch den Staat“, sagte Breitner weiter. „Anders als Mietpreisbremse, ein Mietendeckel oder die Enteignung von Wohnungsunternehmen ist das Wohngeld der direkte Weg, Menschen mit geringem Einkommen unmittelbar und rasch bei den Wohnkosten zu entlasten. Sie könnten dann auch bei steigenden Mieten in ihren angestammten Wohnungen bleiben und müssten keine Angst vor Verdrängung haben“, so der Verbandsdirektor.

    „Die politisch Verantwortlichen stehen in der Pflicht, mehr und besser über das Wohngeld aufzuklären“, fordert Andreas Breitner. Sinnvoll wäre es, bereits bei der Prüfung der Steuererklärung festzustellen, ob ein Anspruch auf Wohngeld besteht oder nicht. Anspruchsberechtigten müsste dann das Wohngeld automatisch überwiesen werden“, erklärte der VNW-Direktor.

    In Schleswig-Holstein bezogen dem Statistischen Amt zufolge zum Ende vergangenen Jahres 19.487 Haushalte Wohngeld. Das waren fast fünf Prozent weniger gewesen als im Vorjahr. Im Durchschnitt kamen 159 Euro Wohngeld pro Haushalt und Monat zur Auszahlung - ein Euro weniger als 2017.

    In Hamburg erhielten zum Ende vergangenen Jahres 11.321 Haushalte Wohngeld. Auch in der Hansestadt sank die Zahl der Wohngeldempfänger im Vergleich zum Jahr 2017 um gut fünf Prozent. Die Höhe der Wohngeldzahlungen je Haushalt lag im Durchschnitt bei 182 Euro im Monat - zwei Euro weniger als vor Jahresfrist.

    „Folgt man der Annahme der Forscher, dass nur ein Drittel der Anspruchsberechtigten Wohngeld bezieht, so ‚sparten‘ die beiden Bundesländer im vergangenen Jahre rund 124 Millionen Euro an Wohngeld“, so VNW-Direktor Andreas Breitner. (Hamburg: 49,5 Millionen Euro, Schleswig-Holstein 74,4 Millionen Euro).

    „Angesichts der Lage auf dem Wohnungsmarkt sind derartige Zahlen unverständlich und unanständig“, so VNW-Direktor Andreas Breitner. „Schließlich ist das Wohngeld ein Zuschuss zur Deckung der Wohnkosten, der ohne Wenn und Aber gewährt wird, wenn die Höhe der Miete oder Belastung für angemessenen Wohnraum die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Haushalts übersteigt. Er wird auch unabhängig davon gezahlt, wo jemand wohnt.“

    Der VNW-Direktor sieht in der Frage des Wohngelds dringenden Handlungsbedarf. „Die Bundesregierung hat unlängst beschlossen, dass von der staatlichen Hilfe künftig mehr Menschen profitieren sollen als bisher. Zudem wird das Wohngeld künftig automatisch alle zwei Jahre erhöht.“

    Der VNW vertritt in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg insgesamt 359 Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften. In den von ihnen verwalteten 732.000 Wohnungen leben rund 1,5 Millionen Menschen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt bei den VNW-Unternehmen bei 5,74 Euro. Der VNW ist der Verband der Vermieter mit Werten.

    V.i.S.P.: Oliver Schirg, Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Referat Kommunikation, Telefon: +49 40 52011 226, Mobil: +49 151 6450 2897, Mail: schirg(at)vnw.de

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