VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

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    Besuch bei den Musterknaben

    Kiels Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz und VNW-Direktor Andreas Breitner informierten sich über die Abfalltrennung bei der Wankendorfer eG.

    Dr. Bernd Buchholz, Schleswig-Holsteins Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus, hat am Donnerstag die Wankendorfer Baugenossenschaft für Schleswig-Holstein eGin Plön besucht und sich dabei über das von der Genossenschaft Musterknaben eGumgesetzte Betriebskostenmanagement informiert. 

    Die Musterknaben eG wurde im Jahr 2012 gegründet. Zunächst bot sie Wohnungsunternehmen Konzepte zur Senkung der Kosten für Energie und Abfallan. Im Kern geht es dabei um eine effizientere Betriebsführung von Heizungsanlagen und die Optimierung der Abfalltrennung in größeren Wohnanlagen. Dadurch können die Wohnnebenkosten deutlich gesenkt werden.

    Inzwischen hat sich die Musterknaben-Genossenschaft zu einem Komplettanbieter im Bereich des Quartiersmanagementsweiterentwickelt und bietet zusätzlich zu Abfall- und Energiemanagement die Reinigung der Treppenhäuser, Hauswartbetreuung einschließlich Verkehrssicherung, Grünpflege und Winterdienst an.

     

    Erstes Projekt in Schleswig-Holstein bei der Wankerdorfer eG

    Erstes Projekt in Schleswig-Holsteinwar das Konzept zur Umsetzung eines verursachergerechten Abfallmanagements mit der Wankendorfer eG. Dafür wurden im Wohnquartier Waldhöhe in Plön Systeme zur Erfassung der Müllmengen aufgestellt. Diese ermöglichen es, dass jeder Mieter durch eine bessere Abfalltrennung seine Betriebskosten selbst beeinflussen kann. 

    Bei dem Projekt erhält jede Wohnung einen eigenen Transponder, der den Zugang zur Restmülltonne ermöglicht. Dadurch lässt sich die Müllmenge genau messen, so dass jeder Haushalt nur für die Entsorgung des bei ihm anfallenden Mülls bezahlt.

    Das Wohnquartier umfasst 100 Wohnungen. Durch das Konzept der Musterknaben konnten Einsparungen bei den Müllgebührenum mehr als 75 Prozent erreicht werden. Statt 100 Liter Restmüll müssen jetzt nur noch 18 Liter pro Woche entsorgt werden.

    Während vor dem Start des Projekts fast die Hälfte der Abfälle in den Restmülltonnen landeten, sind es jetzt nur noch rund 20 Prozent. Durch die bessere Auslastung der Behälter und die getrennte Erfassung der Wertstoffe werden so pro Jahr rund 19 Tonnen Kohlendioxid eingespart. 

    Dr. Bernd Buchholz, Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus:„Das Projekt zeigt, dass sich kluge Ideen am Markt durchsetzen können und dass die Förderinstrumente, die das Land Schleswig-Holstein zur Finanzierung von Unternehmensgründungen zur Verfügung stellt, funktionieren. Die Auszeichnung der Genossenschaft Musterknaben ist Beleg für die Innovationskraft des Mittelstands in Schleswig-Holstein.“ 

    Carolin Poprawa, Vorstand der Musterknaben eG:„Wir haben uns bei der Gründung der Genossenschaft an dem Leitspruch des damaligen UN Generalsekretärs Ban Ki-Moon orientier. Wir wollen zeigen, dass es möglich ist, beides zu verfolgen, Wirtschaftlichkeit und gesellschaftliche Verantwortung.“

    Sven Kaerkes, Vorstand der Musterknaben eG:Uns geht es um gute Leistungen für unsere Kunden, die ja selbst Mitglied werden können und um gute Arbeitsplätze für unsere Mitarbeiter. Das ist der in der Satzung festgelegte Gesellschaftszweck der Musterknaben eG.

    Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW):„Die sogenannte zweite Miete wird mehr und mehr zum Problem. Hier setzen die Musterknaben an und helfen dabei, die Kosten in den Griff zu bekommen. Bezahlbares Wohnen bedeutet nicht nur eine bezahlbare Miete, sondern auch bezahlbare Nebenkosten.“

    Bernd Hentschel, Vorstand der Wankendorfer Baugenossenschaft für Schleswig-Holstein eG:„Als Kunde der Musterknaben eG freut sich die wankendorfer mit über die Preisverleihung. Gemeinsam optimieren sie die Abfalltrennung im Plöner Quartier Waldhöhe und stellen entsprechend dem Aspekt der Nachhaltigkeit ein intaktes ökologisches und ökonomisches Gefüge bereit.“

     
    Hintergrund:

    Derzeit ist die Musterknaben eG in acht Bundesländern aktiv. Sie beschäftigt knapp 200 Mitarbeiter und erreicht einen Jahresumsatz von rund 7,5 Millionen Euro. Die Schwerpunkte der Unternehmenstätigkeit liegen in Hamburg, Niedersachsen, Berlin, Thüringen und Nordrhein-Westfalen. In diesem Jahr ist ein Projekt in Stuttgart hinzugekommen.

    Es sei bedauerlich, dass die Rechtsform der Genossenschaft in Deutschland eher ein Nischendasein friste, sagt Poprawa weiter. Das habe sich schon bei den Gründungsformalitäten gezeigt: auf den Formularen der Finanzämter zur Beantragung einer Steuernummer seien zwar zahlreiche Unternehmensrechtsformen aufgeführt. „Von GmbH über GmbH&Co KG, AG, GbR bis zur UG – die Genossenschaft finde sich dort aber nicht.“ Das sei symptomatisch für die fehlende gesellschaftliche Verankerung.

    Besonders stolz ist Sven Kaerkes, ebenfalls Vorstand der Musterknaben eG, dass durch ein Programm zur Mitarbeiterkapitalbeteiligung heute mehr als 50 Prozent der Mitarbeiter selbst Mitglied in der Genossenschaft sind. Die bloße Idee garantiere aber noch keinen wirtschaftlichen Erfolg, so Kaerkes weiter. „Zwar wurde die Gründung eines genossenschaftlichen Dienstleisters in der Wohnungswirtschaft interessiert beäugt, aber deshalb erhält man – zumal in einer eher entscheidungsträgen Branche - noch lange keine Vertragsangebote.“

    Dass die Musterknaben trotzdem auf einen erfolgreichen Geschäftsverlauf verweisen können, haben Sie ihrer fachlichen Expertise und ihren schlanken Strukturen zu verdanken. Diese ermöglichten es, am Markt wirtschaftliche Angebote zu platzieren. Damit konnten schnell insbesondere finanzgetriebene Unternehmen wie die großen Aktiengesellschaften wie GAGFAH, Deutsche Annington (heute Vonovia), Deutsche Wohnen, LEG Nordrhein-Westfalen, ADO Berlin und die TAG als Kunden gewonnen werden.

    Zunächst drehten sich die Leistungen der Musterknaben eG vor allem um eine Senkung der Verbrauchskosten für Energie und Abfall. Mit innovativen Konzepten zur effizienteren Betriebsführung von Heizungsanlagen bzw. zur Optimierung der Abfalltrennung in größeren Wohnanlagen konnten die Wohnnebenkosten bei den Kunden deutlich gesenkt werden. Innovativ sind dabei auch die Finanzierungsmodelle, denn die Leistungen der Musterknaben finanzieren sich allein aus einer Beteiligung an der erzielten Kostenersparnis.

     Mittlerweile hat sich die Genossenschaft zu einem Komplettanbieter im Quartiersmanagement weiterentwickelt und bietet zusätzlich zu Abfall- und Energiemanagement nun auch die Reinigung der Treppenhäuser, Hauswartbetreuung einschließlich Verkehrssicherung, Grünpflege und Winterdienst an. „Die Musterknaben sind an 365 Tagen für Mieter in den Wohnquartieren da“, sagt Poprawa.

    Gerade die Anfangsfinanzierung stellte eine hohe Hürde bei der Gründung dar. Hier halfen unter anderem die Förderinstrumente, die das Land Schleswig-Holstein zur Start-Up-Finanzierung bietet. So konnten dank Unterstützung durch die Bürgschaftsbank mit der Fördesparkasse Kiel und der Volksbank Kiel zwei regionale Banken als Finanzierungspartner gewonnen werden.

    „Natürlich müssen auch wir Gewinn machen, um unsere Verbindlichkeiten zu bedienen und Rücklagen für die Investitionen zu bilden“, sagt Kaerkes. „Aber das steht nicht im Mittelpunkt unseres wirtschaftlichen Handelns. Uns geht es um gute Leistungen für unsere Kunden, die ja selbst Mitglied werden können und um gute Arbeitsplätze für unsere Mitarbeiter. Das ist der in der Satzung festgelegte Gesellschaftszweck der Musterknaben eG.“ Die Verantwortung reiche über das Unternehmen hinaus. So würden auf Vorschlag der Mitarbeiter 20 Prozent des Gewinns in soziale oder kulturelle Projekte investiert.

    Anlass für den Besuchdes Ministers war die Auszeichnung der Genossenschaft Musterknaben eG mit dem „Großen Preis des Mittelstandes“ der Oskar-Patzelt-Stiftung im vergangenen Jahr. Der „Mittelstandspreis“ würdigt die Kultur der Selbstständigkeit, des Respekts und unternehmerische Tugenden wie Verantwortung, Fleiß und Erfindungsreichtum. Die Musterknaben eG erhielt den Preis im September des vergangenen Jahres.