VNW - Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.

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    Aufs falsche Pferd

    VNW-Direktor Andreas Breitner: Rostock muss langfristig auf den Bau von Geschosswohnungen setzen, um bezahlbaren Wohnraum zu sichern.

    75/2020

    Weil immer mehr junge Familien Rostock verlassen, um in Nachbargemeinden ihr Eigenheim zu bauen, will der Oberbürgermeister der Hansestadt, Claus Ruhe Madsen, künftig verstärkt Baugrundstücke für Einfamilienhäuser zur Verfügung stellen und weniger auf den Bau von Mehrfamilienhäusern mit möglichst vielen Wohnungen setzen.

    Dazu erklärt Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW)

    „Die Idee des Oberbürgermeisters mag nachvollziehbar sein. Sie ist aber nicht hilfreich, wenn es darum geht, in Rostock langfristig für ausreichend bezahlbaren Wohnraum zu sorgen. Madsen setzt aufs falsche Pferd. Die Hansestadt ist das wirtschaftliche Schwergewicht in Mecklenburg-Vorpommern und viele, vor allem junge Menschen, wollen in der Hoffnung auf einen gut bezahlten Arbeitsplatz dort leben. Rostock hat hohe Anziehungskraft, ist lebens- und liebenswert.

    Eines jedoch zeigen die Erfahrungen aus anderen Wirtschaftsmetropolen. Wenn in einer Metropole wie Rostock bezahlbarer Wohnraum nicht in ausreichender Menge zur Verfügung steht, dann wird das relativ rasch negative Auswirkungen auf das wirtschaftliche Wachstum haben. Wohnungen werden teurer und für Menschen mit mittlerem oder geringem Einkommen nicht mehr bezahlbar sein. Die Folgekosten steigen erheblich.

    Die Stadtflucht, die der Oberbürgermeister mit seinem Einfamilienhausprogramm verhindern will, wird eher noch angefacht. In der Folge gehen der Stadt Steuereinnahmen verloren, weil die Einkommenssteuer am Wohnort gezahlt wird. Zudem gibt es weitere erhebliche Probleme. So wird beispielsweise die Zahl jener Menschen steigen, die täglich von außerhalb zur Arbeit nach Rostock pendeln müssen.

    Ich bin nicht grundsätzlich gegen den Bau von Einfamilienhäusern. Sie ergänzen das Angebot des Wohnungsmarktes. Sie lösen aber nicht dessen Probleme. Zu einer lebenswerten Metropole gehören neben Siedlungen mit Mehrfamilienhäusern Siedlungen, die einen eher dörflichen Charakter haben. Aber wer wirklich die Not der Wohnungssuchenden lindern will, der muss größer denken und vor allem auf Geschosswohnungsbau setzen.

    Entscheidend wird sein, wo welcher Wohnraum qualitativ entstehen wird. Immer mehr Neubaugebiete mit Einzelhausbebauung fressen enorme Flächen und sind angesichts der Herausforderungen des Klimaschutzes zweifelhaft. Zudem fördern sie soziale Entmischung.

    Abgesehen davon empfehle ich Rostocks Oberbürgermeister, sich die jüngsten Wohnungsbauprojekte von VNW-Mitgliedsunternehmen anzuschauen. Dabei wird er feststellen, dass beim bezahlbaren Wohnen die (unseligen) Zeiten früherer Großwohnsiedlungen vorbei sind. Sozialer Wohnungsbau muss heute den Vergleich mit Eigentumswohnungen oder gar Einfamilienhäusern nicht scheuen. Weder in der Qualität und schon gar nicht in den Kosten für die Mieterinnen und Mieter. Er schafft Masse und Klasse.

    Vielleicht wirft Claus Ruhe Madsen auch einen Blick nach Hamburg. In vielen Dingen sind beide Hansestädte miteinander vergleichbar. Die Stadt an der Elbe setzt seit fast zehn Jahren auf den Bau von qualitativ hochwertigen Wohngebäuden. Über 55.000 Wohnungen, mehr als ein Drittel davon öffentlich gefördert, wurden seit 2011 geschaffen. Einfamilienhäuser spielen da aufgrund ihres relativ hohen Flächenbedarfs für wenige Personen keine Rolle. In Hamburg hat nur der Bau vieler hochwertiger Wohnungen den Wohnungsmarkt entlastet, die Mieten stabil gehalten und damit die Attraktivität der Hansestadt noch gesteigert.“

    Der VNW vertritt in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein insgesamt 383 Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften. In den von ihnen verwalteten 738.000 Wohnungen leben rund 1,5 Millionen Menschen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt bei den VNW-Unternehmen bei 5,92 Euro. Der VNW ist der Verband der Vermieter mit Werten.

    V.i.S.P.: Oliver Schirg, Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Referat Kommunikation, Telefon: +49 40 52011 226, Mobil: +49 151 6450 2897, Mail: schirg@vnw.de

    Foto: Jens Büttner/dpa